23. Februar 2024

Protastik – Protas auf Abwegen 19.01.2023

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke Becker und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet.

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Ferra hielt im Tippen inne und lauschte. Hatte sie gerade ihre Kinder zurückkommen gehört? Der Hund hob ebenfalls den Kopf und brummte leise vor sich hin, ansonsten blieb es aber ruhig.
»Ist was?«, fragte Angelique, die neben ihr auf dem Sofa saß.
»Ach ich dachte nur, ich hätte die Tür gehört«, winkte Ferra ab. Dann stand sie auf um ihren, nach Strom jammernden, Laptop anzuschließen, ehe sich dieser aus Protest von selbst abschaltete.
Sie hatte gerade das Kabel eingesteckt und wollte ihre Arbeit abspeichern, als ein Schatten sie erschrocken herumfahren ließ. Entgegen ihrer ersten Vermutung war es nicht Angelique, die neben ihr aufgetaucht war. Diese sass noch immer, mit ihrem Klapprechner auf dem Schoss, im Wohnzimmer und starrte den Neuankömmling ebenso fassungslos an.
Lilith?!
»Wir waren uns doch einig NICHT bei der Protastik mitzumachen!«, beklagte Ferra, anstelle einer Begrüßung. Ob sie die Worte an Angelique, Lilith oder gar beide richtete, wusste sie selbst nicht so genau.
Lilith lachte auf. »Als ob ich mir von zwei Menschenfrauen vorschreiben ließe, was ich zu tun oder zu lassen habe.«
»Also, eigentlich…«, setzte Angeliques an und nach einem kurzen Blicktausch ahnte Ferra, dass sie dasselbe dachten und ergänzte: »Falls du uns aber … berichtigen … willst, TUST du genau das, was zwei MENSCHENFRAUEN dir vorschreiben.« Um ihrem Punkt mehr Ausdruck zu verleihen, verschränkte Ferra die Arme vor der Brust.
»Ich bin nicht hier, weil diese Frauen alberne Themen für noch albernere Geschichten vorschlagen«, fauchte Lilith ungehalten und der eisige Blick, den sie dabei an den Tag legte, ließ die Umgebungstemperatur, zumindest gefühlt, sofort um ein paar Grad sinken. Dann lächelte sie gönnerhaft, während sie eine ihrer beiden neuen, schwarzen Haarsträhnen zwirbelte. »Allerdings bin ich tatsächlich hier um euch auf etwas zu eurem Buch aufmerksam zu machen.«
Was für eine Überraschung … nicht. Auch Angelique verdrehte im Hintergrund genervt die Augen.
»Ihr stellt Drewfire völlig falsch dar!«, erklärte Lilith also energisch, stieß Ferra ruppig beiseite und setzte sich vor den Laptop. Zunächst suchte sie die Umgebung nach etwas, vermutlich nach einer Maus, ab. Vergeblich. Sie verzog unzufrieden die Lippen und mehr durch Zufall fanden ihre Finger kurz darauf das Trackpad. Bisher war Ferra davon überzeugt gewesen, dass man sich nicht schlimmer mit besagtem Pad anstellen konnte, als es Angelique regelmäßig tat. Aber Lilith belehrte sie eines Besseren. Der Mauszeiger schnellte ziellos über den Bildschirm und öffnete so ziemlich jedes Programm, welches ein Icon auf dem Desktop besaß. Voranging Bild-, Video-, und Audioprogramme, die nicht gerade zur besseren Rechenleistung des Gerätes beitrugen, wenn sie alle gleichzeitig starten sollten.
Als Lilith endlich ihr Ziel gefunden hatte, öffnete sie ungeduldig ungefähr fünfzehnmal den Dateiexplorer und suchte sich durch die Verzeichnisse.
»Wer soll denn hier etwas finden?«, fluchte sie.
›Du hoffentlich nicht…‹, dachte sich Ferra. Aber schon einen Augenblick später wurde diese Hoffnung zunichtegemacht – angepinnte Verknüpfung sei Dank. Mist.
Lilith stutzte, wandte sich stirnrunzelnd Ferra zu. »Ernsthaft? Wie alt seid ihr, zwölf?«
Dabei lag der Mauszeiger tatsächlich auf dem richtigen Ordner. Ferra zog fragend eine Augenbraue hoch und brauchte einen Moment, bis ihr aufging, was Lilith vermutlich meinte. Der Ordner trug noch immer den Namen, den sie früher – damals tatsächlich etwa mit 12 – mal als Arbeitstitel genutzt hatten. Jenen Titel, den die Geschichte trug, als sie diese erfunden hatten. Aus nostalgischen Gründen hatten sie diesen für den Projektordner beibehalten. (Anmerkung der Autorinnen: Der Titel wurde nur geändert, weil der Ursprüngliche der Geschichte nicht mehr gerecht wurde und keinesfalls, weil er etwas peinlich ist! 😬 )
»Wie auch immer…«, murmelte Lilith, die offenbar ohnehin nicht an einer Antwort interessiert war, sondern sich jetzt dem Notizen-Ordner widmete. Nach einigen Dokumenten zu Worldbuilding und Ähnlichem, die sie gelangweilt überflogen hatte, entdeckte sie, zum Entsetzen von Ferra und Angelique, die Hintergrundgeschichten.
»Das sieht doch schon interessanter aus«, murmelte Lilith vor sich hin, öffnete alle Geschichten auf einmal und trommelte dann ungeduldig mit den Fingernägeln auf den Laptop.
Noch ein paar Fenster mehr erschienen auf dem ohnehin schon völlig überladenen Desktop.
Blacks Vergangenheit, die als erstes aufploppte, ignorierte sie und vertiefte sich stattdessen in das ›Kennenlernen von Drewfire und Angel‹. Nachdem sie sich im ersten Abschnitt noch prächtig zu amüsieren schien, stockte sie im zweiten und tippte so heftig gegen den Bildschirm, dass das Bild flackerte. »Was ist DAS denn für ein Schwachsinn?«
»Sachte! Du machst den Bildschirm noch kaputt«, appellierte Ferra.
Angelique las unterdessen die Textstelle, auf die Lilith gedeutet hatte und schmunzelte. »Was stört dich daran? So war das eben.«
Lilith schüttelte verständnislos den Kopf. »Ich wusste doch, das ihr Drewfire nicht wirklich versteht! Das hier«, erneut tippte sie auf den Bildschirm, diesmal jedoch etwas weniger energisch, »ist absolut irrwitzig! Sogar noch mehr, als es die Wahl von einer so weinerlichen Person wie Angel als ›beste Freundin‹ ohnehin schon ist. «
»Angel ist nicht ›weinerlich‹!«, protestierte Angelique und erhielt sofortige Zustimmung von Ferra.
Aber das interessierte Lilith überhaupt nicht. Sie schloss die Geschichte und klickte sich durch die vielen Fenster auf der Suche nach dem nächsten.
»Das ist es!«, rief sie dann plötzlich begeistert, tippte Ferra auf die Brust und deutete auf das nun geöffnete Dokument. »Du wirst jetzt sofort richtigstellen, wie es damals gelaufen ist. Ihr werdet Drewfire endlich darstellen, wie sie wirklich ist«, forderte sie.
»Wir stellen Drewfire dar, wie sie wirklich ist!«
Wütend verengte Lilith die Augen zu Schlitzen dann drückte sie auf dem Laptop herum. »Dann weg mit dem ganzen Mist!«
»HE, Stopp!« Doch da war es schon geschehen. Das Verzeichnis verschwand und entgegen der bisherigen Unbeholfenheit, vergaß Lilith diesmal auch nicht, den Papierkorb zu leeren.
Dann stapfte sie aus dem Haus, natürlich nicht, ohne sehr schwungvoll die Tür zu zuwerfen.
Glücklicherweise hatte Angelique die Daten ja ebenfalls »Ist noch alles auf der Cloud?«, fragte Ferra trotzdem vorsichtig nach.
»Japp, sie hat nur deine Verknüpfungen gelöscht.«
Ferra atmete erleichtert auf, als…
»Oh, warte… »
»Was?!?«
»Das Dokument von Band 2, dass du gerade überarbeitet hattest ist weg…«
»Verdammt! Also alles von vorn… «, fluchte Ferra- »So langsam verstehe ich, warum es für die meisten Autoren viel angenehmer ist, wenn Vampire nur auf Einladung ein Haus betreten können…«
»Du sagst es…«

Und so, kam es wirklich zu der Verzögerung zur Überarbeitung von Band 2

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

Alle Beiträge ansehen von F.Drewes →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert