28. Mai 2024

Protastik – Protas auf Abwegen 12.01.2023

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke Becker und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Nach einer anstrengenden Nacht kam Damian erschöpft im Herrenhaus an. Es gab zur Zeit einige Unruhen im Clan und dadurch etliche Streitereien, die es zu schlichten galt, ehe sie ausarteten.
Schon beim Betreten des Hauses hörte er Balduin, der zu schwungvoller Musik sang. Soweit war das nicht ungewöhnlich und normalerweise tat es Damian gut, wenn sein Geliebter gut gelaunt war, aber heute hatte er kein gutes Gefühl dabei. Warum konnte er nicht Mal genau sagen. Vielleicht lag es daran, dass Balduin sich vorhin zusammen mit Nana und ihren Freundinnen irgendetwas auf einem Tablet angesehen hatte, von dem er sehr angetan gewesen zu sein schien. Leider entwickelte sein Geliebter, auch wenn dieser das gern abstritt, immer wieder viel zu viel Interesse, an neueren menschlichen Spielereien.
Damian rieb sich müde die Stirn. Was auch immer es war, was Balduin derart begeisterte –  heute würde er sich nicht mehr damit befassen.
Dann hörte er es klappern und die Richtung, aus der die Geräusche kamen, ließ ihn ungläubig innehalten.  Mit einem unguten Gefühl machte er sich auf den Weg in die Küche. So viel dazu, dass er sich heute nicht mehr damit befassen würde, aber wenn Balduin sein Reich durcheinanderbrachte, konnte Damian nicht beruhigt schlafen gehen.
Stattdessen stand er jetzt im Türrahmen und beobachtete seinen Partner, wie er durch den Raum tanzte und dabei eine Pizza belegte. Überall war Mehl verteilt und auch der restliche Zustand seiner Küche ließ sich nur noch als ‚chaotisch‘ bezeichnen.
Allein diese Tatsache reichte eigentlich schon, um Damian verdammt wütend werden zu lassen. Noch nie hatte sich Balduin fürs Kochen interessiert und eigentlich war jedem im Haus klar, dass dieser Raum ganz und gar Damian gehörte und hier niemand sonst etwas zu suchen hatte. Aber nein – nicht nur, dass sein Partner jetzt hier herumtanzte und eine merkwürdige Lust darauf entwickelt zu haben schien, ihm alles durcheinander zu bringen, mit ihm sprang auch noch der kleine Marder Loki um den ausgerollten Teig, auf seinem Kopf eine Miniaturkochmütze, von der Damian gar nicht wissen wollte, wie sie an Ort und Stelle blieb.  Dabei wusste Balduin genau, dass er dieses… dieses… Vieh nicht in seiner Küche haben wollte!
Gerade als sein Geliebter eine weitere Zutat verteilt hatte, sprang der Marder ihm freudig in die Arme und ließ sich wie ein Stofftier von ihm herumwirbeln, während Balduin Arme und Hüften des Marders wie bei seinem eigenen kleinen Tänzchen bewegte. Jeder andere der so etwas versucht hätte, wäre unter Garantie ausgiebig gekratzt und gebissen worden, soweit kannte Damian das Tier. Doch bei Balduin verhielten sich die meisten Marder wie zahme, verschmuste Kätzchen. In freudiger Erwartung etwas von Balduins Leckerbissen abzubekommen, leckte sich Loki das kleine Mäulchen und sprang wieder um den Teig herum. Hier und da stibitzte er etwas von den vorbereiteten Zutaten um sie sofort zu fressen während Balduin weiter damit beschäftigt war, die Pizza zu belegen.
Fassungslos sah Damian ihm dabei zu und kam erst wieder zur Besinnung, als Balduin den Ofen geschlossen hatte und sich zu ihm umdrehte.
„Hey Damian“, grüßte er mit einem spitzbübischen Lächeln.
„Raus hier!“ Obwohl Damian klar war, dass er völlig übertrieb, konnte er nicht anders. Erst diese ganzen sinnlosen Streitereien, um die er sich kümmern musste – wobei natürlich stets unerschöpfliche Gelassenheit von ihm erwartet wurde – und jetzt das! Das war einfach zu viel für eine Nacht!
„Ich räum alles wieder auf, versprochen.“ Balduin hob beschwichtigend die Hände und lächelte ihn versöhnlich an. Der Marder hingegen schlüpfte schnell unter Balduins Hemd und keckerte und fauchte aus dem Hemdkragen heraus. Das Tier wusste, dass er so sicher war, verzog sich aber dennoch tiefer in den Kragen zurück und verstummte, als es Damians übellaunigem Gesicht gewahr wurde.
Vielleicht lag es aber auch an dem großen Küchenmesser, welches er aus dem Messerblock zog und nach Balduin warf. „RAUS!“ 
Sein Gefährte wich geschickt aus und schlüpfte, nur noch einen kurzen Blick auf sein Machwerk werfend, durch die Tür. Seine gute Laune war wie weggeblasen.
Einen Moment tat Damian sein Ausbruch leid und er hätte ihn beinah zurückgerufen, als ihm auffiel, dass auf seiner Arbeitsplatte ein Smartphone herumstand mit dem Balduin seine alberne Aufführung auch noch aufgenommen hatte. Genau genommen, zeichnete das Ding noch immer auf. Wütend packte er das Gerät und warf es in hohem Bogen aus dem Fenster. Auch wenn ihm danach war, es im Ofen zu grillen, hielt ihn doch die Tatsache, dass er diesen danach vermutlich nie wieder sauber bekommen würde, davon ab.
Aufgebracht begann er das Chaos, das sein Gefährte angerichtet hatte, wieder in Ordnung zu bringen. Vermutlich würde ihn das den halben Tag kosten, aber so landete wenigstens alles an seinem Platz landen und er musste sich hinterher nicht darüber ärgern, dass Balduin sein System einfach nicht verstand und alles einfach in irgendeinen Schrank warf.
Als die Pizza fertig war, unterbrach er kurz sein Tun und stellte sie seinem Partner wortlos vor die Nase, bevor er sich daran machte auch die Reste von Tomatensoße und Käse aus dem Ofen zu kratzen, die von dem völlig überladenen Teig gefallen waren.

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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