10. Dezember 2022

Protastik – Protas auf Abwegen 03.11.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

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Der Schlachthof leerte sich zusehends und Black Dragons Blick wanderte zur Tür. Es war unwahrscheinlich, dass die Bluthäscher so kurz vor dem Sonnenaufgang noch hier auftauchen würden, da sie es nach der Berichterstattung nicht mehr nach Hause schaffen würden.
Missmutig stützte der Spion sein Kinn auf die Hände. Das war jetzt schon die dritte Nacht, ohne eine Nachricht von Ryan und Drewfire. Das bedeutete, dieser abtrünnige Aal wand sich noch immer aus ihren Fängen. Andernfalls hätten sie längst Meldung gemacht.
Der Kerl war eine harte Nuss. Er war sehr schnell und zu allem Übel auch noch ein Aurenleser, weswegen Black speziell Drewfire auf das Ziel angesetzt hatte. Black war sich zwar ziemlich sicher, dass Drewfires Gespür eine größere Reichweite hatte, doch nützte ihr das wenig, wenn sie womöglich nicht einmal nahe genug für Ryans Bogen an ihre Beute herankamen.
Frustriert verließ auch Black den Schlachthof und grübelte auf dem Heimweg darüber, welche Optionen es sonst noch gab um diese Jagd endlich zum Erfolg zu führen. Theoretisch könnte man ihn mit einem ordentlichen Scharfschützengewehr aus deutlich größerer Entfernung erwischen. Aber leider konnte er Ryan bisher nicht von solchen Waffen überzeugen und bei Drewfire versuchte er es gar nicht erst…
Er seufzte. Eine Schusswunde würde ohnehin viel zu schnell wieder heilen.
Außer… Er hielt gedanklich kurz inne.
Die Schmiede hatten sich bisher stur geweigert, aber unmöglich war es wohl nicht.
Glücklicherweise war morgen Vollmond. Bei dieser Gelegenheit sollte er Sandra unbedingt mal wieder einen Besuch abstatten.

Die Schmiedin verschränkte die Arme. »Das ist eine noch größere Blutverschwendung, als du ohnehin schon hinlegst. Keiner hat von mir mehr Waffen geschmiedet bekommen als du!«, sagte sie und sah ihn finster an, »GRINS NICHT SO, DAS WAR KEIN LOB!«
Leider wahr, aber es war immer notwendig gewesen. Es gehörte nunmal zum Job in Probleme zu geraten und für gewöhnlich lag seine Priorität dann meistens mehr darauf, lebend aus der Sache raus zu kommen, weniger auf einer unversehrten Waffe.
»Sag bloß du kannst nicht eine einfache Blutpatrone herstellen«, stichelte er.
»Ich kann dich mit einem glühenden Eisen Aufspießen.«  Um ihre Drohung zu untermauern, zog sie es aus dem Feuer und hielt es ihm so dicht vor sein Gesicht, dass er die Hitze zwar spüren konnte, sie ihn aber nicht versengte.
Beschwichtigend hob der Spion die Hände. »Kleiner Scherz. Ich weiß natürlich, dass du das ganz großartig hinbekommen wirst«
»Werde ich nicht, weil ich das nicht machen werde! Du kannst gern bei den anderen dein Glück versuchen. Mach ein Video, wenn du Veit fragst, falls du es nicht überlebst, wird er es mir sicher gern schicken.«
Das bezweifelte Black Dragon stark. Eher würde er ihm bereits dafür die Hände abhacken, dass er seine Schmiede filmte. Er war Veit noch nicht oft begegnet, aber die wenigen Male, gepaart mit den Gerüchten, die über den Schmied kursierten, genügten ihm auch völlig.
Inzwischen hatte Sandra sich abgewandt und die Schmiede war erfüllt vom hohen Klirren, von Metall, welches auf Metall traf, als Sandra anfing ihr Schmiedestück zu bearbeiten und ihren Gast zu ignorieren.
Black machte einen großzügigen Bogen um die Schmiedin um sich erneut in ihr Blickfeld zu schieben.
»Was wird das? Ein Dolch? Deine Schmiedekunst war mir schon immer die liebste. Du stellst nicht nur effektive sondern auch sehr schöne Waffen her«, plauderte er schmeichelnd drauf los.
Ihre Drohung würde Sandra, nicht wahr machen, das wusste er schon zu Genüge aus Erfahrung. Auch wenn sie gerne Waffen herstellte, war sie sehr friedliebend und schätzte mehr die Kunst darin.
»Hast du schon eine Idee, für die Verzierung?«
Mit einem lauten Schlag hielt sie inne.  »Bei der Nacht, willst du mich jetzt die ganze Nacht zuquatschen??? Gibst du Ruhe, wenn ich dir deine verdammte Patrone mache?«
»Aber natürlich, ich bin dir immer gern zu Diensten«, versicherte er mit einem verschmitzten Lächeln.
Genervt wandte Sandra sich um und griff nach einem Messer. Tiefer als nötig schnitt sie in seine Hand um etwas von seinem Blut zu bekommen.
Die längste Zeit nahm wohl die Herstellung des Blutsilbers in Anspruch. Nach zwei Stunden warf sie ihm eine Gewehrpatrone zu. »Ich hoffe die explodiert dir im Lauf!«
»Danke!«, sagte Black, steckte die Munition ein und zwinkerte der Schmiedin zu. »Ich erzähl´s auch keinem.«
»Raus!«, zischte die Sandra und hob drohend ihren Schmiedehammer.
»Ich freu mich auch auf den nächsten Besuch« Zufrieden wandte der Spion sich zum Gehen. Jetzt musste er nur noch seine Lieblingsbluthäscher finden.
Mit dem Gewehr über der Schulter machte er sich auf die Suche. Es war nicht schwer ihre Spur nachzuvollziehen, denn wo auch immer die beiden herumgestreunt waren, traff er auf Kontaktleute, die sich sehr ungehalten über die Seelenlosen ausließen. Doch es hatte zumindest den Anschein, dass die Bluthäscher noch immer auf den Fersen des Abtrünnigen waren. Die meisten anderen hätte dieser Mistkerl sicherlich längst abgeschüttelt.
»Was willst du hier?«, fragte Ryan zur Begrüßung, als der Spion sie eine Nacht später ausfindig gemacht hatte. Natürlich war dem Bluthäscher bewusst, was in der Tasche auf Blacks Rücken war, das hinderte ihn jedoch nicht daran, diese kritisch zu mustern und fragend die Augenbrauen hochzuziehen.
»Ich will mal mein Glück versuchen.«
»Damit du wieder fast mich abschießt?«, fragte Drewfire und verengte die Augen.
»Hey, das war der erste Schuss, konnte ich doch nicht wissen, dass der Lauf so krumm war«, rechtfertigte er sich und verkniff sich ein schelmisches Grinsen.
Ohne Interesse an der Antwort zu bekunden, winkte Drewfire ab. »Dann sieh zu das du dich positionierst, wir lassen dir etwas Vorsprung«, erklärte sie und zeigte ihm die Richtung an, in der der Abtrünnige zu finden war.
Pah, Vorsprung… als ob. Sie würden sofort loslegen, sobald er aus der Sicht war. Er wusste immerhin, dass die beiden es nicht ausstehen konnten, wenn man sich in ihre Arbeit einmischte.
Und selbst wenn sie ihm einen Vorsprung ließen, waren die Bluthäscher arrogant genug, einfach davon auszugehen, dass er ohnehin nicht rechtzeitig bereit war, um ihnen in die Quere zu kommen. Es galt also, sich zu beeilen, um ihnen das Gegenteil zu beweisen! Er machte sich in einem Bogen auf den Weg und suchte sich eine erhöhte Position. Mit dem losgelösten Zielrohr konnte er die Ansammlung an Hütten, in welcher sich das Zielobjekt wohl versteckte im Auge behalten. Endlich hatte er eine passende Stellung gefunden. Er zog das fertig aufgebaute Gewehr aus der Tasche und montierte das Fernrohr.
Bewegung kam in die Hütten und kurz darauf sah er den Abtrünnigen im Schutz einiger Büsche davoneilen. Da ihm mit Sicherheit bewusst war, dass eine Aurenleserin hinter ihm her war, versuchte er garnicht erst, sich unbemerkt davon zu schleichen.
Black legte an und schätzte seine Bewegungen ab, suchte eine Stelle, die ihm möglichst freie Schussbahn bot.
Sehr gut. Wenn sein Ziel in dieser Richtung weiter lief, hatte er eine ideale Stelle ausgemacht.
Die Bluthäscher waren nirgends zu sehen und selbst der Wind war auf seiner Seite und hielt inne.
Black stellte das Atmen ein, um so wenig wie möglich zu wackeln.
Konzentriert beobachtete er sein Ziel, den Finger am Abzug.
Nur noch wenige Meter…
Der Schuss ließ die Tiere aus der näheren Umgebung aufschrecken.  Das Geräusch traf zeitgleich mit der Kugel bei seinem Ziel ein. Das Metall bohrte sich in die Brust des Abtrünnigen, dieser stoppte erst verwirrt, dann lachte er – Bis ihn die Erkenntnis ereilte, dass die Wunde nicht heilte.
Ein Pfeil rauschte knapp an dem Getroffenen vorbei, als dieser auf die Knie sank.
Durch das Zielrohr konnte Black die Bluthäscher reden sehen und dann in seine Richtung blicken.
Begeisterung sah definitiv anders aus.
Er konnte, oder besser gesagt wollte, sich einem gewissen Gefühl von Genugtuung nicht verwehren.
Ob Drewfire wohl nahe genug war, dass sie das wahrnahm?
Der Spion grinste zufrieden, während er das Gewehr wieder verstaute, soviel zum Thema ›Blutverschwendung‹.
Auch wenn die Bluthäscher es vermutlich nicht erkennen konnten, hob er die Hand zum Gruß.

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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