10. Dezember 2022

#Protastik Protas auf Abwegen 19.05.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Ein lautes, mehrstimmiges Geheul schallte durch den Wald.
»Sie hauen ab!«, rief Drewfire Ryan zu. Dieser setzte sogleich einem Wolf nach der, dem Ruf des verbliebenen Rudels folgend, die Flucht ergriff. Sie wollte den beiden ebenfalls folgen, doch dann erregte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit: Die schwächer werdende Aura eines Vampirs. Bis jemand den Verletzten hier ganz am Rand des Schlachtfeldes fand, war er tot.
»Exsecratus!«, fluchte Drewfire und haderte einen Moment mit sich, ehe sie die Richtung wechselte und der Aura zu dem Sterbenden folgte.  Ryan kam auch ohne ihre Hilfe klar und ein Clanmitglied im Stich zu lassen, welches in einer gemeinsamen Schlacht verletzt worden war, widersprach jeglichem Ehrgefühl.  
Ganz abgesehen davon gab es ohnehin schon mehr Bastarde als Reinblüter. Diesen unerfreulichen Umstand musste man nicht noch künstlich fördern.
Dank ihrer Fähigkeiten war der Gesuchte schnell ausgemacht, der in einer sich ausbreitenden Blutlache lag und auf den ersten Blick mindestens zwei Bisswunden davongetragen hatte. Sie hob ihn hoch und ging eiligen Schrittes auf das Versorgungslager zu, um ihn dort abzugeben. Damit hätte sie ihrer Schuldigkeit genüge getan.
Ganz so einfach wie erhofft sollte es jedoch nicht werden.
Der Kampf hatte seinen Tribut gefordert und viele Verwundete warteten darauf, versorgt zu werden.  Einige sahen dabei aus, als würden sie schon das Warten nicht überstehen.
Das hatte man jetzt von dem tollen Pakt mit Lycos … 
Wenn man keine Lykaner bekämpfen durfte, fehlte vor allem den jungen Kriegern die Erfahrung sollte es, so wie heute Nacht, doch einmal ein auswärtiges Rudel für klug halten, den Clan anzugreifen.
»Seid ihr zum Helfen hier?«, fragte ein Halbblut, das auf Drewfire zukam, hoffnungsvoll. 
Sie hob eine Braue und musterte den, offenbar überforderten, Mann.
»Ich bringe nur einen Verletzten«, stellte sie richtig, legte ihn auf die letzte freie Bahre und wandte sich zum Gehen.
„Bitte, ich weiß nicht, was ich tun soll“, wimmerte der Bastard auf einmal los und griff nach ihrer Hand. Genervt entzog sie ihm diese sofort wieder, wandte sich zu ihm um und stemmte die Hände in die Hüften. »Du arbeitest doch hier, oder? Also ARBEITE!«
»Aber ich …  ich weiß doch nicht was! Man hat mich hergebracht und gesagt ich solle helfen, aber… also…  ich weiß nicht, wie und was ich tun muss, keiner hat mir etwas erklärt …«, klagte er weiter.
Falls er noch mehr jammerte, verstand Drewfire es unter seinem Geschluchze  nicht mehr. Sie ächzte und rollte mit den Augen. Ryan und sie wussten schon, warum sie sich nie auf andere verließen, wenn einer von ihnen verwundet war. Schon gar nicht auf Bastarde…
Sie ließ prüfend ihren Blick durch den Raum schweifen. »Es würde sicher schonmal helfen, wenn sie was trinken würden und wenn jemand herausfindet, wer hier alles von den Lykanern gebissen wurde!«
Die Tatsache, diesem Kerl seinen Job erklären zu müssen, nervte Drewfire bis zur Unendlichkeit. Doch leider war gerade keiner greifbar, der das an ihrer statt übernehmen konnte.
Wieder einmal zeigte sich, wie nutzlos es war, Menschen zu wandeln. Ganz besonders dann, wenn niemand ihnen erklärte, wie sie weniger unbrauchbar waren.
Genau diese Idiotie brachte auch ihren Freund André auf die lächerliche Idee diese Aufgabe für andere übernehmen zu wollen und eine Schule zu gründen.
Wenigstens setzte sich der Helfer nach ihren Worten tatsächlich recht flott in Bewegung und kurz darauf hatte jeder im Raum ein wenig Blut zum Trinken.
Dann sah er sie abermals erwartungsvoll an.
»Jetzt besorg Lykanerantiserum und gib es jedem, der einen Biss hat!“, blaffte sie, während sie ihrem Patienten selbst die Wunden säuberte.
Ihrem Widerwillen zum Trotz würde sie sich keinen Ärger mit dem Oberhaupt einhandeln, wegen unterlassener Hilfeleistung, nachdem sie all das hier gesehen hatte. Wie sie es hasste, wenn sie die Unfähigkeiten von anderen geradebiegen musste.
Kaum war das Serum da, verabreichte Drewfire ihrem Patienten ein wenig davon. Das Halbblut hatte derweil, sogar auf eigene Initiative, etwas Kinderblut angeschleppt und verteilte es an diejenigen, die es am schlimmsten erwischt hatte. Scheinbar konnte dieser hier tatsächlich weniger nutzlos sein, als manch anderer seiner Gattung.
Er agierte am anderen Ende des Lagers, aber dennoch erreichte der liebliche Duft, der aus dem restlichen intensiven Blutgeruch herausstach, auch sie. Einen Moment lang beobachtete sie, wie der Bastard mit der großen Flasche von Bahre zu Bahre ging und den Verletzten etwas von dem jungen Blut einflößte.
Ein gequältes Stöhnen sorgte schließlich dafür, dass sie sich von dem verlockenden Anblick losriss und sich mit angehaltenem Atem wieder ihrem eigenen Patienten zuwandte.
Als sie endlich mit der Versorgung fertig war, hatte auch der Bastard endlich damit angefangen, die ersten Wunden zu reinigen und zu verbinden. Dann konnte sie wohl gehen.
Sie hatte fast den Ausgang erreicht, als eine der zuständigen Ersthelferinnen sich in das Lager bequemte, sich ihr in den Weg stellte und sie missbilligend musterte. »Wenn du nicht gebissen wurdest, verschwinde! Deinesgleichen brauchen wir hier nicht, du stehst nur im Weg, Seelenlose!«, keifte sie.
Du mich auch!, dachte sich Drewfire. Doch da zu Gehen auch in ihrem Interesse war, beließ sie es dabei.
Draußen kam Ryan auf sie zu. Er hatte für sie beide Blut besorgt und reichte es ihr.
»Der Drecksköter ist mir entwischt«, murrte er. »Kannst du wenigstens noch einen Erfolg verzeichnen?«
»Nein«, erwiderte sie. »Gehen wir und kümmern uns darum«, schlug sie vor und deutete auf einige Kratzwunden, die Ryan und sie selbst davongetragen hatten und die sie, wie immer, eigenhändig versorgen würden.

 

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