6. Juli 2022

#Protastik Protas auf Abwegen 26.05.2022 – Teil 1

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Angelique
Während ich frühstücke und nebenher ein wenig am Manuskript arbeite, schalte ich die Nachrichten ein, höre aber nur mit einem halben Ohr hin.

Seit Mitternacht herrscht in einigen Gebieten der Ausnahmezustand. Grund dafür sind verschiedene Risse, die plötzlich an unterschiedlichsten Orten auftauchen und aus denen Wesen aller Arten hervortreten.

Da das Phänomen an verschiedene Science Fiction Szenarien erinnert, werden diese Risse als Dimensionstore bezeichnet.

Mein Kopf ruckt nach oben und ich blicke fassungslos auf die Bilder im Fernseher. Dieser Goblin, dem ein Ohr fehlt, lässt mich kurz an die Geschichten von @blindmansworld denken. Kann das sein?
Meine Hände tasten nach dem Smartphone und wählen Ferras Nummer.
»Ja?«, schallt es mir genervt aus dem Hörer entgegen. Muffelig wie immer um diese Uhrzeit…
»Mach die Nachrichten an!«, brülle ich ihr entgegen, um das Bellen ihres Hundes zu übertönen.
»Hä? Wa…?«, beginnt sie, doch ich lasse sie nicht ausreden: »MACH EINFACH!!!«
Sie fragt nicht weiter nach und verschiedenste Geräusche sagen mir, dass sie gerade zu ihrem Laptop oder ihrer Anlage geht.

… eine mögliche Ursache für diese Dimensionstore, welche angeblich in Buchwelten führen, konnte noch nicht gefunden werden.
Literaturwissenschaftler weisen auf ein exponentielles Wachstum sogenannter Self-insert-Kurzgeschichten auf Instagram, seit gut einem Jahr hin.
»Das kann doch kein Zufall sein.« So unsere Expertin …

Es folgte eine Erklärung, was Self Insert eigentlich bedeutet. Kurz darauf grinst eine Frau in die Kamera, ihr Arm liegt um die Schulter einer recht verwirrt dreinblickenden Frau mit etwas altertümlicher Kleidung. Offenbar eine der glücklichen Autorinnen, die sich darüber freuten, dass ihre Buchfigur sie besuchen kam.
Was unsere Vampire angeht bin ich da allerdings eher… skeptisch. Und nicht nur ich:
»Ach. Du. Scheiße!«, höre ich Ferra fluchen.
»Ersparnisse für einen spontanen Urlaub plündern?«, schlage ich vor, doch erhalte keine Antwort. »Ferra?«
»Was? … Ich meine Ja. Urlaub, ja Urlaub klingt gut.« Im Hintergrund höre ich ihre Kinder Jubeln. Pah, also so spaßig wird das vermutlich nicht werden.
»Alles klar, ich hole dich in zwei Stunden ab. Bis dann«, verabschiede ich mich und lege auf.
Ich hole einmal tief Luft, um mich zu sammeln und überlege dann, was es alles zu erledigen gilt.
Zum Glück ist gerade Sommer. Im Norden beginnen die weißen Nächte und wir könnten dort im Sonnenlicht Schutz vor unseren Figuren suchen.
Nun gut, der Geldbeutel lacht über den Plan, aber was bleibt uns anderes übrig?

Nachdem ich alles in meinem Wagen verstaut habe, zückte ich mein Smartphone und rufe Ferra an: „Fertig?“
„Fix und fertig und bereit zum losfahren.“
Gesagt, Getan! Protestierende Kinder, hoffentlich sicher, untergebracht, Hund, Gepäck und sogar wir Autorinnen im Auto – Abfahrt!
Die Straßen waren verstopft und überall konnte man verschiedenste interessantesten Gestalten herumirren sehen. Es geht nur sehr schleppend voran, aber solange die Sonne noch hell am Himmel strahlt, sind wir vor unseren Charakteren sicher. Puh.
Als die Dämmerung einsetzt suchen wir eine günstige Herberge in der wir unterkommen konnten.
Sicherlich würde man uns hier nicht so schnell finden, immerhin weiß niemand wohin wir unterwegs sind. Hoffentlich finden sie bald einen Weg diese Dimensionstore zu schließen.
Ein Klopfen an der Tür schreckt uns auf.
Nein, wie sollten sie uns gefunden haben?
Und wer? Fieberhaft gehen wir im Kopf die ganzen Protastikgeschichten durch.
Black Dragon? Ryan? Drewfire?
Alle nicht unbedingt unsere erste Wahl…
Mit einem Knacken gibt das Schloss nach, die Tür schwingt auf, und ein violettes Paar Augen funkelt uns wütend an.
„Angel? So eine Überraschung. Was führt dich den zu uns?“, stammle ich.
„Spart euch das“, braust sie auf und wedelt mit dem Zeigefinger vor unseren Nasen herum. „Ihr Beiden habt euch oft genug auf Kosten meiner Familie und Freunde amüsiert!“
Beschwichtigend heben wir die Hände. „Hey, du musst schon zugeben, dass die Geschichten immer deren Charakter widergegeben haben“, sage ich.
„Was hat es mit Kagomes Charakter zu tun, dass ihr sie etwas habt tun lassen, wofür sie nicht mal im Entferntesten zuständig ist?“
„Naja, es war ja nur gespielt.“
Angel verschränkt die Arme. „Wir können ja mal Ryan fragen, wie gespielt er es fand, dass er von einer Gewandelten lahmgelegt wurde!
„Das war ein bedauerlicher Unfall!“
„Den ihr euch ausgedacht habt“, hält sie dagegen und schüttelt den Kopf.
„Also der Abschiedsbrief wäre echt harmlos ausgegangen, wenn sich nicht jeder geweigert hätte, einen zu verfassen.“, murrt Ferra, noch immer enttäuscht.
„Wenn Drewfire und Ryan euch erwischen werdet ihr einen Abschiedsbrief brauchen“, droht Angel.
„Dann habt ihr meinen Bruder lächerlich gemacht und eure Leser denken jetzt, er wäre lykanerblutsüchtig!“, tobt sie weiter.
„Hey, dass alle das gleich in den falschen Hals bekommen ist nicht unsere Schuld, wir haben versucht…“
Versucht, versucht!“, äfft sie mich nach und wirft die Arme in die Luft. „Lustig gemacht über ihn habt ihr euch. Lächerlich gemacht vor dem gesamten Clan.“
„Aber das Blei gießen war doch lustig, oder?“, versucht Ferra sie etwas zu beschwichtigen.
„Schon…“, murmelte Angel und lächelt flüchtig. Leider besinnt sie sich dann aber sofort wieder auf ihr eigentliches Thema.
„Aber dann habt ihr Drewfire diesen primitiven Widerling vorgesetzt…“
„Widerling?“, fragt Ferra, „Welchen Widerling?“
„Nacht der Gewandelten? Kostümfest? Klingelt da was?“
„Mit dem wäre sie ja fertig geworden“, halte ich dagegen.
Angel ignoriert meinen Einwurf und spricht weiter: „Ihr habt sie erpresst, dass sie Lilith nie zu fassen bekommt…“
„Sie hat gesagt, sie wolle streiken“, erinnert Ferra. „Man findet schlecht jemanden indem man Däumchen dreht.“
Der eisige Blick unseres Gegenübers lässt uns verstummen. Wie konnten wir nur immer wieder vergessen, wie gefährlich das Nesthäkchen der Gruppe sein kann, wenn sie wütend wird?
„Ihr habt Balduins und Damians romantisches Essen gestört.“, zählte sie weiter auf und läuft rot an vor Wut.
„Nun ja… eigentlich war das Loki… Außerdem haben wir das ja wieder ausgeglichen mit der heißen Nacht die sie danach hatten“, murmle ich.
„Worüber Ryan sicher nicht unbedingt begeistert wäre“, hielt Angel dagegen.
„Wir haben Mechthild auf ihre…“ Schnell stoppe ich mich, ehe ich die Worte alten Tage ausspreche. Nichts was der Gewandelten gerecht wird. „.. wir haben der guten Mechthild immerhin zu einem Date verholfen. Das hat ihr sicherlich gut getan nach der langen Zeit.“
„Das stimmt.“ Ein zufriedenes Lächeln legt sich auf Angels Lippen. Sehr gut ihre Wut begann wohl langsam wieder zu verfliegen.
„Genau und auf dem Markt hatte Drewfire doch auch ihren Spaß“, legte Ferra nach, um weiter möglichst die positiven Dinge hervorzuheben.
„Der Markt auf dem Balduin Informationen sammeln wollte, bevor Drewfire ihn wegen eurer Geschichte gesprengt hat meint ihr?“
Oh da war ja was.
„Also, wir haben nie behauptet, dass er die Infos die er wollte nicht bekommen hat.“
„Wie wahrscheinlich wäre das wohl! Und ihr habt auch nie geschrieben, dass er sie bekommen hat.“
„Ach nein? Also das muss irgendwie verloren gegangen sein“, entgegnet Ferra und versucht sich erstaunt zu geben.
„Raiks Geschichte hat viel Anklang gefunden.“ Daran konnte die gute Angel nun wirklich nichts auszusetzen haben.
„Ja wirklich toll, dass ihr einem Rudel Lykaner ein Mittel gegeben habt, damit sie uns klammheimlich angreifen können!“ Ihre Augen verengen sich.
Na gut, bis auf das natürlich…
„Oder wie ihr Drewfire in eine Katze verwandelt habt.“ Wieder stemmte sie die Hände in die Hüften und wir wichen zwei Schritte zurück.
„Eigentlich war der Tag bei Dracula doch ganz schön…“
„Schön? Schön? Sie wusste nicht ob sie sich je zurückverwandeln würde und wollte sogar den Clan verlassen vor Scham!!“
„Es ist doch nichts passiert.“
Mit einem lauten Knall donnert die Faust der Vampirfrau auf einen Tisch. „Nichts passiert! Doch nur damit ihr uns weiter schikanieren könnt. Wie in der Geschichte in der ihr meinem Bruder weiß gemacht habt, dass er sterben würde!“
Betretenes Schweigen erfüllt den Raum. Wir ahnen, ein falsches Wort und das Engelchen wird zur Furie.
„Nicht zu vergessen diesen Zaubertrank, den ihr mir vorgesetzt habt, um euren Schabernack mit mir zu treiben.“
„Aber dieser Schöpfer hatte die Standpauke mehr als verdient.“, wispere ich, vergessend, wie gut die Ohren eines Vampirs sind.
„Und wie ich mich dabei fühle ist natürlich egal!“
„Nein!“, versichern wir eiligst.‘
„Hmm, Aber ein Clanmitglied mit Sonnensilber in seiner Tiergestalt gefangen halten, damit ihr ein sprechendes Tier einbauen könnt… da war es dann egal wie der sich dabei fühlt, ja?“
Angel schüttelt den Kopf. „Andererseits, war es schön mal die andere Seite von Drewfire für die Leser zu sehen als sie auf Andras aufgepasst hat, oder bei der Versorgung der Verwundeten geholfen hat. Aber sogar da musstet ihr ja noch diese Frau einbauen, die sie anschließend rauswirft. Musste das wirklich sein?“
„Das diente nur zur Verdeutlichung, dass Drewfires Umfeld nicht unschuldig an ihrem Charakter ist“, argumentiere ich.
Offenbar zufrieden mit dieser Antwort nickte Angel. „Na gut, aber das hört jetzt auf, dass ihr meine Familie lächerlich macht!“, fordert sie dennoch.
„Natürlich!“, versprechen wir, mit hinter dem Rücken gekreuzten Fingern.
Man muss sich gewisse Dinge einfach offenhalten.
Ohne ihre Wut weiter an uns auszulassen verlässt sie das Zimmer wieder.
Ferra schüttelt ungläubig den Kopf. „Da hat sie an so vielen Geschichten was auszusetzen, aber deine schräge Zeckenstory finden natürlich alle super!“

Unsere Blicke wandern zu der kaputten Tür. Vielleicht sollten wir aufbrechen, ehe wir das auch noch bezahlen müssen…

 

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