10. Dezember 2022

#protastik Protas auf Abwegen 26.05.2022 Teil 2

Moment mal, habt ihr überhaupt schon Teil 1 Gelesen? Nein? Dann findet ihr diese hier -> Teil 1

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Ferra(Am nächsten Tag)
Endlich sitzen wir an einem sonnengefluteten Flecken im Norden und nutzen die weißen Nächte zu unserem Vorteil.
Während Angelique nach der nervenaufreibenden Nacht neben mir auf einer Liege döst, gehe ich nochmal durch, ob wir auch wirklich keine Eventualitäten in unserem Plan vergessen haben. Unsere Bluthäscher haben wir mit einem Auftrag beschäftig, Black und Damian genießen ein paar Nächte zu zweit und Angel wird wohl kaum ein zweites mal aufkreuzen, zähle ich gedanklich auf. Das, zusammen mit dem, zugegebenermaßen gar nicht soo üblen, Dauertag – was soll da noch schiefgehen.
Ich unterdrücke ein Gähnen und drehe das kleine Radio ein wenig lauter, da gerade die Nachrichten beginnen. Ungeduldig höre ich mir die neuesten Dramen an, bis endlich der Teil beginnt, der mich interessiert:

Die Dimensionstore, welche seit einigen Stunden für internationalen Aufruhr sorgen, beginnen sich offenbar ebenso plötzlich wieder zu schließen, wie sie erschienen sind.  Aktuellen Beobachtungen zufolge ist ein Großteil davon bereits wieder verschwunden.

Erleichtert atme ich auf. Da haben wir ja wirklich nochmal Glück gehabt. Ich mache es mir auf der zweiten Liege gemütlich. Gerade als ich selber kurz vor dem wegschlummern bin, ruckt der Kopf meiner Hündin, die neben mir auf dem Boden liegt, nach oben und sie fängt drohend an zu brummen. 
„Alles gut. Schlaf weiter“, sage ich gähnend und kraule ihr beruhigend den Hals.
Irgendetwas raschelt im Gebüsch, worauf der Hund endgültig aufspringt und erneut knurrt.
Seufzend richte ich mich auf und wende mich ihr zu. „Was ist denn los mit dir? Das war bestimmt nur ein Vogel oder sowas“, erkläre ich ihr unnötiger Weise. Aber anstatt sich zu beruhigen fängt sie nun auch noch an, die Zähne zu fletschen und macht ein paar Schritte rückwärts, bis ihr Knurren schließlich in ein ängstliches Winseln übergeht und sie sich, an der Leine zerrend hinter mir verkriecht.
„Kleiner Angsthase. Da ist doch…“ Ich verstumme vor Schreck, als ich erneut in die entsprechende Richtung schaue. Dort steht, nur wenige Meter entfernt, ein riesiger schwarzer Wolf, der mich aus eisblauen Augen ansieht.
Zittrig und ohne meinen Blick von dem Ungetüm abwenden zu können, taste ich nach der Liege neben mir. „Angelique… aufwachen!“, flüstere ich.
„Lass das…“, brummt sie, schlägt meine Hand weg und dreht sich um.
Na toll.
Ich schüttle erneut an ihrem Arm. „Wach auf! Ich glaube, wir haben da doch eine Kleinigkeit außer acht gelassen!“, sage ich so leise aber bestimmt wie möglich. Nicht, dass flüstern wirklich etwas nutzen würde, um ungehört zu bleiben…
Angelique gibt ein genervtes Stöhnen von sich. „Kannst du deinen verdammten Pessimismus nicht einmal beiseite lassen?“, beschwert sie sich. „Es ist Tag. Da kommen selbst unsere Vampire nicht raus“, klärt sie mich gähnend auf.
Verflixt, kann sie nicht einfach die Augen aufmachen? Unterdessen schleicht der Wolf mit gesträubtem Fell auf uns zu.
„Schon aber…“
Endlich setzt sie sich hin, reißt sich die Sonnenbrille vom Gesicht und funkelt mich gereizt an. „Herrje, was denn?“, pampt sie.
„Tagwandler!“, entgegne ich und deute auf den tierischen Besucher.
Ein spitzer Schrei entfährt meiner Freundin und sie springt von ihrer Liege auf.  Mit einem düsteren Knurren bewegt sich der Wolf weiter auf uns zu und zwingt uns damit, zurückzuweichen. Direkt auf die Hütte hinter uns zu, in der wir uns bewusst nicht aufhalten wollten, da sie nur ein Fenster hat, bei dem der Laden sich nicht mehr öffnen lässt. Eine billige Unterkunft eben, von der wir nicht vorhatten, sie zu nutzen… Eigentlich.
„Ich werde da auf keinen Fall reingehen, damit er sich zurück verwandeln kann!“, zischt Angelique mir von der Seite zu.
„Klar. Das da…“, antworte ich mit sarkastischem Unterton und deute mit beiden Armen fuchtelnd auf unser Gegenüber, „…ist natürlich viel besser!“
Ein drohendes Knurren bewegt mich dazu, meine Arme blitzartig wieder zurück zu ziehen. Dann wird es dem Wolf scheinbar zu dumm. Mit gebleckten Zähnen und einem schnellen Satz springt er auf  uns zu.
Reflexartig will ich zurückweichen, stolpere dabei über meinen Hund, reiße Angelique mit mir und zusammen landen wir unsanft und sehr wenig elegant innerhalb der Hütte.
Hektisch rappeln wir uns beide wieder auf, ich sehe gerade noch meinen Hund davonlaufen, dann schließt sich die Tür und es wird dunkel. Nur die Augen des Wolfs schimmern noch durch die Schwärze um uns herum und deren Eisblau wird langsam durch ein sattes Blutrot abgelöst, als er sich in einen Vampir zurück verwandelte.
„Ihr Menschen habt mir wahrlich schon viele Namen gegeben. Aber etwas derart unschöpferisches wie ‚Das da‘ hat selbst ein Van Helsing nicht hervorgebracht“, durschneidet Draculas tiefe Stimme schließlich die Finsternis.
Ein eisiger Schauer läuft mir den Rücken runter und ich weiß nicht so recht, ob ich diese komische Bemerkung und den ruhigen Tonfall auch tatsächlich beruhigend finden soll…  
Währenddessen überleg ich fieberhaft, wie wir hier halbwegs heil wieder rauskommen sollen. Mittlerweile haben sich meine Augen soweit an die Dunkelheit gewöhnt, dass ich zumindest Draculas Umrisse erkennen kann.
Okay, ich muss zumindest irgendwas versuchen. Sorgfältig lege ich mir jedes Wort zurecht, das ich an ihn richten will.
Bloss nichts falsches sagen! Einfach nur vorsichtig nachfragen, was er will, entscheide ich für mich.
Ein Versuch kann nicht schaden. Hoffe ich…
Doch als ich gerad den Mund aufmachen will, kommt er mir erneut zuvor.
„Spare dir die Worte. Ihr solltet jedoch in Erwägung ziehen, meine Person in euren ridikülen Narrationen nicht so … einseitig zu umschreiben“, entgegnet er auf meinen Gedanken hin und dieses Mal ist ein drohender Unterton deutlich herauszuhören.
„Die sind nicht ‚ridikül‘!“, platzt es trotzdem aus mir heraus.
Sofort schlage ich mir die Hände vor den Mund. Soviel zu ‚jedes Wort sorgfältig durchdenken‘.
Ich nuschle schnell ein „tschuldigung“ zwischen den Händen hervor.
Dracula sagt nichts. Er durchbohrt uns nur regelrecht mit seinem Blick und bewegt sich langsam auf uns zu.
Das habe ich ja super hinbekommen… das wars dann wohl… war schön mit euch…
Ich schließe mit einer bösen Vorahnung die Augen und hoffe einfach, dass es schnell vorbei ist.
Eine gefühlte Ewigkeit, die vermutlich nur ein paar Sekunden dauert, passiert nichts.

Dann springt mich etwas an und – schleckt mir übers Gesicht?
Was?
Irritiert öffne ich die Augen wieder und erkenne meine Hündin, die nun schwanzwedelnd zwischen Angelique und mir hin und her springt und dann mit einem auffordernden Bellen durch die offene Tür nach draußen rennt.
Da lassen wir uns nicht zweimal bitten! Bloß raus hier!

…soeben hat sich nun auch das letzte bekannte Dimensionstor geschlossen. Es bleibt abzuwarten, ob dies ein einmaliges Phänomen war

ertönt es aus dem Radio.
Angelique und ich tauschen einen erleichterten Blick. Einmalig. Das hoffen wir doch sehr.

 

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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