10. Dezember 2022

#Protastik – Protas auf Abwegen 16.06.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Angel und André kamen gerade vom Blutmondhain zurück, als ihnen auf dem Pfad zu Villa ein enttäuscht wirkender Unbekannter, mit einer großen Mappe unter dem Arm, entgegenkam.

„Hast du eine Ahnung wer das ist?“, fragte Angel, aber der Schulleiter verneinte.

Der Ausdruck des Fremden erhellte sich jedoch prompt, als er sie erspähte und er beschleunigte seine Schritte. „Guten Abend, entschuldigen sie die Störung. Sind Sie André Laffont?“, fragte er, kaum dass er sie erreicht hatte.

André nickte zustimmend. „Und Sie sind?“

„Oh was für eine Freude, dass ich Sie doch noch erwische“, erwiderte der Fremde aufgeregt. „Dann sind Sie sicher die junge Madame Beauvrye?“, fragte er weiter und strahlte Angel an. „Ich habe schon so viel über Sie gehört. Selbst unter uns Freigeistern sind Sie bekannt für ihren Einsatz gegen die Sklaverei Gewandelter“, führte er weiter an, wobei er hibbelig von einem Bein aufs andere trat.

Ein Freigeist? Was wollte der denn von ihnen?

„Ähm, ja, die bin ich. Danke. Und mit wem haben wir das Vergnügen?“, fragte nun auch sie.

„Achja, verzeihen Sie. Ich bin Dominik“; stellte der Fremde sich vor und deutete eine Verbeugung an. „Könnten Sie einen Moment ihrer Zeit für mich opfern?“, fragte er dann und strahlte André hoffnungsvoll an. „Sehen Sie, ich möchte ihnen gerne ein Projekt vorstellen, in der Hoffnung von ihren Erfahrungen profitieren zu können. Sicherlich kann dies auch dem Clan sehr zuträglich sein“, erklärte er und klammerte sich nervös an die Mappe, die er bei sich trug.

 

Später im Herrenhaus Beauvrye

Noch immer etwas fassungslos kam Angel zuhause an und hörte schon im Foyer hörte sie, wie sich mehrere Leute angeregt unterhielten.

Mist. Das hab ich ja total vergessen… Nana hatte ihre Freundinnen eingeladen, um mit ihnen zu essen. Da allerdings auch Drewfire und Ryan eingeladen waren, hatte Kagome dankend verzichtet. Aber wenigstens Kaja war gekommen.

Angel atmete durch, betrat das Esszimmer und begrüßte die Gruppe.

„Da bist du ja endlich, das Essen hast du nun leider verpasst“, stellte Damian tadelnd fest.

„Tut mir leid, ich wurde aufgehalten“, entschuldigte Angel sich seufzend und setzte sich zu den anderen. „So ein völlig überdrehter Freigeist wollte uns unbedingt ein Projekt vorstellen und hat auf Andrés Unterstützung gehofft“, erklärte sie kopfschüttelnd.

Damian lächelte versöhnlich und hantierte an einem Servierwagen. „Hier, wir haben dir zumindest einen Nachtisch aufgehoben“, sagte er und drückte ihr ein Dessert-Schälchen in die Hand, dass sie dankend entgegen nahm.

„Wollen jetzt etwa schon Freigeister ihre Halbblüter an den Clan abschieben?“; mutmaßte Drewfire.

Angel rollte mit den Augen. „Nein, darum ging es gar nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig“, entgegnete sie und schob sich eine Erdbeere in den Mund.

„Worum ging es denn dann? Vorschläge für einen neuen Lehrplan“, erkundigte sich jetzt auch Black witzelnd.

„Ja, wir sind ganz Ohr. Womit ist er denn gescheitert?“, schloss sich Ryan an.

Alle, inklusive Nana und Kaja, sahen Angel jetzt abwartend an. Sie seufzte. „Na schön. Er will offenbar eine Blutfarm gründen“, erklärte sie schließlich.

Damian runzelte die Stirn. „Jemand will Menschen züchten und kommt damit ausgerechnet zu André?“

„Ja! Könnt ihr euch das vorstellen?“, brauste Angel nun auf und nahm einen großen Löffel von ihrer Dessertcreme. „Er wollte von Andrés Erfahrungsschatz in der artgerechten Haltung profitieren“, erzählte sie mit halbvollem Mund weiter. „Artgerechte Haltung wäre ihm überaus wichtig, hat er betont. Sowas lächerliches! Und dann sollten wir auch noch Werbung im Clan für ihn machen. Wirklich unglaublich“, ärgerte sie sich.

Entsetzt starrte Kaja in die Runde. „Menschen züchten? Das ist ja… abartig“, sagte sie und schüttelte sich. „Damit hat André aber nicht wirklich Erfahrung, oder?“, hakte sie dann vorsichtig nach.

„Nein!“, bekräftigte Angel sofort. „Die Menschen im Blutmondhain sind dort immerhin alle freiwillig und sicher nicht zu Zucht!“

„Also ich fand das ja schon immer sinnlos“, merkte Black an.

„Was? Den Blutmondhain als Zufluchtsort für Menschen?“, fragte Nana, etwas entsetzt nach.

„Achwas, nein. Menschen zu züchten und artgerecht halten zu wollen“, stellte er richtig.

„Warte… sowas gab es wirklich?“

„Eine Zeit lang schon, ja“, antwortete diesmal Drewfire.

„Das ist nicht euer Ernst!“, hakte sich nun erneut Kaja entrüstet ein.

Die Bluthäscherin zuckte mit den Schultern. „Menschen halten sich doch auch Tiere, nur um sie zu essen. Wo ist der Unterschied?“

Die Gewandelte öffnete den Mund, schloss ihn aber gleich wieder, ohne was zu sagen.

Black nickte derweil. „ Man hat es ohnehin nach ein paar Jahrzenten wieder aufgegeben. Das mit der artgerechten Haltung war ein einziges Desaster. Menschen sind einfach mit nichts zufrieden.“

„Das stimmt doch gar nicht!“, protestierte Kaja nun doch und erhielt bestätigendes Nicken von Nana.

Angel schwante unterdessen nichts Gutes. Wenn ihr Bruder und die Bluthäscherin sich einig waren, war das selten gut für andere.

„Oh doch. Allein die sozialen Haltungsbedingen waren ständig aufs Neue ein Drama“, erläuterte Drewfire.

„Und wie! Ständig gab es Gejammer. Hielt man sie in Gruppen, gab es ständig Streitereien und Neid…“,  stimmte Black zu.

„… und die immer wiederkehrenden Diskussionen darüber, welches Kind von wem ist erst!“ ergänzte Drewfire.

Black lachte. „Ja, das auch. Aber wenn man sie dann separiert hat, gab es garantiert Klagen darüber, wie einsam sie waren und überhaupt hatte einfach immer einer etwas an der Unterbringung auszusetzen.“

Wieder nickte Drewfire zustimmend. „Und dann die Sache mit der Ernährung…“

„Stimmt.“ Black richtete sich an Kaja, die ihre Aufzählung fassungslos verfolgte. „Mit Nahrungsmitteln die eigentlich gesund für sie wären, haben Menschen es nicht so, oder?“, fragte er, wartete aber keine Antwort ab. „Zumindest war das Essen nie gut genug.“

„Zu wenig dies, zu viel das, wir hätten aber lieber…“, führte Drewfire spöttisch an.

„Achja… aber wir Vampire sind ja so anspruchsvoll“, fügte Black theatralisch hinzu.

„Bin ich der Einzige, der es gruselig findet, wenn die beiden sich einig sind?“, flüsterte Ryan Angel schmunzelnd zu.

Nein. Da war er definitiv nicht der Einzige. „Seid ihr dann fertig…?“, fuhr Angel jetzt dazwischen, ehe Drewfire und ihr Bruder ihre Ausführungen noch weiter ausdehnen konnten.

Black wollte gerade den Mund aufmachen, um noch etwas zu sagen, da mischte sich auch Damian ein: „Sie sind fertig!“, entschied er bestimmt. „Keine Sorge Kaja, das ist lange vergangen und gilt als heute als absolut unangemessen. Wir sind nun einmal alle nicht vor Fehlern gefeit, weder Menschen noch Vampire.“

Kaja nickte verhalten und Angel war sich fast sicher, dass sie so schnell nicht mehr zu Besuch kommen würde, wenn Drewfire und ihr Bruder anwesend waren. Die beiden grinsten sich unterdessen  zufrieden an und Angel warf ihnen einen warnenden Blick zu.

 

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