30. September 2022

Protastik-Protas auf Abwegen 18.08.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

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Ohne Eile zog Ryan einen schlichten, schmiedeeisernen Stuhl in die Mitte des ehemaligen Schlachtraums. Das Kreischen des Metalls auf dem glatten Boden, wurde von den gekachelten Wänden zurückgeworfen und dadurch noch verstärkt.  
Drewfire dirigierte ihren Gast zu der bereitgestellten Sitzgelegenheit und zwang ihn, sich zu setzen. Der Faber stellte dabei eine beachtliche Gleichgültigkeit zur Schau, als störe er sich nicht an dem unausweichlichen Ausgang seiner Situation. Lediglich das Zittern seiner Hände hatte er nicht gänzlich unter Kontrolle. Ryan beeindruckte das wenig, bisher hatten Drewfire und er noch jeden von derartigen Kühnheitsanfällen geheilt.
„Hast du dir schon überlegt, was wir Veit als Souvenir mitbringen sollen?“, plauderte er gelassen los. Drewfire legte nachdenklich den Kopf schief. Offenbar hatte sie sich diesbezüglich noch nicht entschieden. Nun, da würde sich schon etwas finden. Langsam umkreiste Ryan den Stuhl und musterte den Schmied von oben bis unten. „Hmm, ich habe da eine Idee…“
Er wandte sich dem einzigen Möbelstück, einem alten, angerosteten Metallschrank zu und holte einige Gegenstände daraus hervor. Seine Fundstücke ließ er laut scheppernd vor die Füße ihres Gastes Fallen. Mit Ausnahme eines Bunsenbrenners, den er behutsam so platzierte, dass ein verirrter Fuß ihn nicht versehentlich umstoßen konnte. Dann entzündete er die Flamme und hielt einen eisernen Schürhaken darüber. Drewfire hatte sich derweil abwartend gegen eine Wand gelehnt und betrachtete ihre Fingernägel.
„Bei welcher Temperatur fängt Eisen eigentlich an zu glühen?“, fragte Ryan. Allerdings stand dem Schmied offenbar nicht der Sinn nach einer Plauderei.
Bedauerlich, wo es doch sicher eine Weile dauern würde, bis sich die Stange genügend erhitzt hatte und zu glühen begann. Aber gut, wenn er sich lieber in Schweigen hüllen wollte – kein Problem. Somit blieb das leise Fauchen der Flamme das einzige Geräusch, dass die Stille durchbrach.
Ryan hielt geduldig das Metall ins Feuer, während der Blick des Schmiedes immer wieder zum Schürhaken zuckte. Ansonsten hielt er sich äußerlich aber nach wie vor wacker. Ein flüchtiger Blick zu Drewfire ließ Ryan allerdings zumindest ahnen, dass dieser Schein trog. Ach, war Vorfreude nicht die schönste Freude?
Als sein Werkzeug schließlich das gewünschte, rote Leuchten erreicht hatte, erhob sich Ryan wieder und griff in den Haarschopf des Schmiedes. „Wie wäre es mit einer Haarsträhne?“, schlug er vor und presste die Stange an die Schläfe ihres Gefangenen.
Ganze anderthalb Sekunden schaffte der Vampir es, keinen Schmerz zu zeigen, dann schrie er auf wie ein Schwein bei der Schlachtung.
Zufrieden mit seinem Werk packte Ryan die verschmorte Haarsträhnen und hielt sie Drewfire entgegen.
„Nein, ich denke das ist nicht das richtige“, entgegnete diese, kam wieder auf sie zu und rümpfte die Nase, „außerdem stinkt sie.“
Dann begutachtete sie ihrerseits die Werkzeuge, griff nach einer großen Zange. „Ich dachte da eher an etwas handfesteres…“
„Fingernägel?“ Ryan nahm die Zange entgegen und grinste als ihr Gast zusammenzuckte.
„Reißzähne!“
„Du hast es gehört, Mund auf!“
Ehe der Faber irgendwie reagieren konnte riss Drewfire dessen Kopf nach hinten, packte mit der anderen Hand sein Kinn, presste zwei Finger auf die Kiefergelenke und zwang ihn damit den Mund zu öffnen.
Vorsichtig setzte Ryan die Zange an und sah seinen Patienten streng an. „Schön stillhalten, wir wollen ja nicht, dass das gute Stück kaputt geht.“
Während Drewfire den Schmied festhielt, begann Ryan also langsam zu ziehen, stets darauf bedacht, den Zahn nicht zu beschädigen.
Die Schmerzensschreie hallten von den Wänden wieder und wurden dabei immer wieder von einem gurgelnden husten unterbrochen.
„Könntest du mal weniger bluten? Ich sehe gar nicht was ich hier tue“, tadelte Ryan, ehe er kurz darauf die Zange wieder absetzte.
Nein das ganze saß einfach zu fest. Kaum möglich, das Souvenir unbeschädigt herauszubekommen.
„Brich doch den Kiefer drum herum, Den Überflüssigen Knochen können wir später entfernen“, schlug Drewfire vor.
Ryan nickte. „Gute Idee.“
Prompt wurde ihr Patient deutlich wehrhafter und gab Laute von sich, die wohl einen Widerspruch deutlich machen sollten. Zu dumm, dass er dabei so unverständlich nuschelte…
Erneut und diesmal mit genug Abstand, setzte Ryan also die Zange am Zahnfleisch an und drückte zu, bis er den Knochen knacken hörte und hatte kurz darauf den ersten Reißzahn in der Hand. Er wartete ab, bis der Faber sich wieder etwas erholt hatte, eher er auch das zweite Souvenir für Veit befreite.
„Sehr schön, war doch gar nicht so schlimm, oder?“, stellte er fest.
„Nein“, bestätigte Drewfire.
Ryan wischte das Blut an seinen Händen an der Kleidung des Schmieds ab und richtete sich dann an Drewfire: „Also, du wolltest noch einen Test an ihm Durchführen?“
„Richtig.“ Sie holte den Blutdolch hervor und lächelte eisig.

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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