17. August 2022

Protastik -Protas auf Abwegen 07.07.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

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»Das war enttäuschend einfach«, kommentierte Ryan unzufrieden.
Black Dragon schnaubte verächtlich. Die Suche nach diesem Dreckskerl, der immer wieder junge Clanmitglieder angegriffen hatte, war alles andere als einfach gewesen. Im Gegenteil, es hatte ewig gedauert, ihn aufzuspüren und nur zu gerne hatte Black sein Lieblingsbluthäscherduo auf seine Spur gebracht. Dafür, dass der Gesuchte offenbar wesentlich mehr austeilen, als einstecken konnte, konnte er ja nichts.
»Wie wäre es mit einer Runde schwimmen im See?«, schlug Yasmin neben ihm vor und sah dabei auch die beiden Bluthäscher fragend an. Eine gute Idee.
»Wie wäre es, wenn ihr stattdessen nach dem nächsten Ziel sucht?«, hielt Drewfire dagegen und verschränkte die Arme.
»Nö!«  Black Dragon drehte sich um und streckte sich. »Wir haben zwei Monate gebraucht, bis wir den gefunden haben. Wir haben uns eine Pause verdient. Aber wenn ihr keinen Bock habt…«
Er und Yasmin waren noch nicht lange am See, als auch die Bluthäscher zu ihnen stießen.
Ryan stupste mit dem Fuß und kritischem Blick einige Paletten an, welche am Uferrand gestapelt waren. »Wozu sind die hier?«
»Ein neues Training, das Yasmin und ich angefangen haben. Die Paletten kommen als Plattformen ins Wasser und dann versuchen wir, den anderen ins Wasser zu befördern. Fliegen ist dabei natürlich verboten«, erklärte Black Dragon.
»Also nur ein albernes Spiel und kein Training«, merkte Drewfire unnötigerweise an, setzte sich etwas abseits und packte einen Block und einige Kohlestifte aus. Wie so oft, wenn sie mit an den See kam.
Gleichgültig zuckte Black Dragon mit den Schultern. »Wenn du es so nennen willst…« Dann sah er zu Ryan. »Interesse, es auszuprobieren? Zwei von dreien?«
Der Bluthäscher hob eine der Holzstangen auf, die neben den Paletten lagen. »Warum nicht, du wolltest ja ohnehin baden gehen«, stimmte er zu.
Black Dragon grinste wissend, in Anbetracht seines betont gelangweilten Tonfalls. Als ob Ryan nicht begeistert jede Herausforderung annahm. Voller Tatendrang schob Black die Holzplatten ins Wasser, zog Shirt und Schuhe aus und sprang, von einer Palette zur nächsten bis er ungefähr in der Mitte war.
Die Wellen, die seine Aktion schlug, sorgten dafür, dass alles weiter heraustrieb und sich weitflächiger verteilte. Herausfordernd drehte er die Stange in den Händen.
Ryan tat es ihm gleich und zog Oberteil und Schuhe aus. Übrig blieb nur die Hose, welche tief auf seiner Hüfte lag. Ein verflucht heißer Anblick. Fasziniert beobachtete Black Dragon das Muskelspiel, während Ryan sich ihm mit Sprüngen näherte und dabei spielerisch den Stab um seine Arme Kreisen ließ.
Stumm forderte der Bluthäscher ihn auf, den ersten Angriff zu starten.
Bitte – wenn dieser arrogante Großtuer es nicht anders wollte…
Mit einem kräftigen Schlag auf das Wasser nahm Black seinem Gegner die Sicht und brachte dann die Palette, auf der sie nun beide standen, mit einem gezielten Stoß zum Schwanken. Doch das bisschen würde sicher nicht reichen, um den geübten Kämpfer zu Fall zu bringen.
Ein beherzter Sprung ließ die Holzplatte noch mehr wanken und während Black seine Holzstange in der Palette verkantet hatte und sich mit deren Hilfe aufrecht hielt, kämpfte Ryan mit seinem Gleichgewicht.
»Dann sehen wir doch mal, wie gut du wirklich bist.« Black Dragon wippte mit den Bewegungen mit und verstärkte diese noch, während Ryan fluchend hin und her stolperte.
Als ihre Unterlage schließlich kippte, zog Black schnell seine Stange aus der Palette und rettete sich auf die nächste Insel. Der Bluthäscher hingegen landete mit einem lauten Platschen im erfrischenden Nass.
Mit finsterem Blick tauchte Ryan wieder auf. »Du hast mich nicht mit der Waffe ins Wasser befördert!«
Black lachte amüsiert. »Habe auch nie behauptet, dass das eine Bedingung sei.«
Murrend zog sich der Bluthäscher zurück auf eine der Plattformen. Das Wasser perlte von seiner nackten Brust und seinen Zöpfen. Der Mann sah wirklich schön aus und wenn er dann auch noch seine Haare so ausschüttelte …
Black Dragon hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende geführt, da spürte er einen Schlag gegen seine Beine, gefolgt von einem Stoß gegen die Brust. Im nächsten Moment brach das Wasser über ihm zusammen.
Schnell tauchte er auf und ärgerte sich dabei eher über sich selbst als über Ryan.
Dieser lachte zufrieden. »Wie kannst du mich die ganze Zeit derart anschmachten und das dennoch nicht kommen sehen?«
Okay. Er ärgerte sich definitiv doch mehr über Ryan! »Ich wollte nur, dass es spannend wird!«, berichtigte Black, wrang seine Haare aus und stellte sich bereit auf. Die Hose klebte klamm an seinen Beinen. Dieses mal würden dem Bluthäscher keine billigen Tricks mehr helfen!
Wachsam belauerten sie sich. Ryans erste Attacken waren nur neckisch und Black wehrte sie mit Leichtigkeit ab. Der nächste Angriff zwang ihn, auf eine andere Plattform zu springen. Diese schwankte durch das plötzliche Gewicht, tauchte ein Stück ins Wasser und Black musste erst sein Gleichgewicht wieder zurückgewinnen.
Ryan grinste berechnend, nutzte den Vorteil sofort und startete eine Angriffsserie.
Blacks Hände schmerzten bei jeder Abwehr mehr. In einem offenen Zweikampf war er Ryan leider unterlegen. Also wich er einem weiteren Angriff aus und sprang, mit einer geschickten Rolle über eine der Paletten, an seinem Gegner vorbei. Mit den Händen stieß er sich von der Plattform ab, auf der er gelandet war, um nur ganz knapp am Rand der Nächsten zum Stehen zu kommen.
Da der Bluthäscher ihm sofort nachsetzte, blieb ihm nicht viel Zeit.
Bald war ihre komplette Spielwiese in wilder Bewegung, ein Flickenteppich aus nassem, rutschigem Holz.
»Du kannst nicht ewig vor mir davonlaufen«, stichelte Ryan und betrachtete Black mitleidig. »Vielleicht solltest du es mal mit verstecken versuchen. Unter Wasser zum Beispiel.«
Black Dragon brummte leise. Auf keinen Fall würde er sich von dem Bluthäscher provozieren lassen.
»Gut, wenn du nicht zu mir kommst…« Bei seinem nächsten Sprung überwand Ryan gleich zwei Paletten und landete auf der rechts neben Black.
Die Insel, die Black als sein nächstes Ziel auserkoren hatte, wurde durch die Welle aus seiner Reichweite getrieben und er musste einem Hasen ähnlich einen Haken schlagen, um Ryan zu entkommen. Dabei kam er ins rutschen und stürzte. Ein Luftzug und eine Holzstange, die über seinen Kopf hinwegrauschte, verrieten ihm, dass dieses Missgeschick ihn gerade vor einem üblen Treffer bewahrt hatten. Auch wenn das nur Holz war, mit der Kraft die Ryan aufbringen konnte, hätte ein Treffer an der richtigen Stelle ihn benommen zurückgelassen.
Allerdings war Ryan damit seine Waffe los und Black Dragon hat einen Reichweiten-Vorteil.
Schnell drehte er sich um und ging zum Angriff über. Er sprang ab, hieb die Stange zwischen Ryans Beinen in eine Lücke der Palette und warf sich mit Schwung gegen dessen Brustkorb.
Der Bluthäscher taumelte, packte jedoch noch Black Dragons Bein, drehte sich dabei um die eigene Achse und warf ihn ins Wasser.
Mist. Mist, Mist!
Zeitgleich mit seinem Gegner tauchte Black wieder auf.
»Unentschieden!«, verkündete Yasmin, welche den Schlagabtausch vom Ufer aus verfolgt hatte.
Der Blick, den Ryan zur Schau trug, verriet Black, dass diesem das Urteil ebenfalls nicht gefiel.
»Oder was sagst du?«, fragte Yasmin nun, an Drewfire gerichtet.
Fragend sahen sie zu der Bluthäscherin. Drewfire sah von ihrem Papier auf, kniff skeptisch die Augen zusammen und nickte schließlich. »Eindeutig unentschieden. Beide hoffnungslose Possenmacher mit verbesserungswürdigem Gleichgewichtssinn«, urteilte sie und wandte sich wieder ihrer Zeichnung zu.
Ryan zog sich zurück auf eine der Paletten, reichte Black Dragon die Hand und zog auch ihn aus dem Wasser.
»Wenn du meinst, dass du es besser kannst, beweis es!«

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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