5. Oktober 2023

Protastik-Protas auf Abwegen 09.02.2023

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke Becker und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet.

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Es war wirklich zum Haareraufen. Erst vor wenigen Tagen hatte Mechthild alle Vorräte im Herrenhaus geprüft und jetzt berichteten ihr die anderen Gewandelten, dass das Blut, ebenso wie das Futter für die Tiere zur Neige ging. Ja nicht mal genug Waschpulver wäre mehr im Haus.
Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Das sie sich bei der Futtermenge für die Pferde verschätzte, wäre ja noch möglich. Sehr unwahrscheinlich zwar, aber immerhin möglich. Sich zu ärgern füllte Blutvorräte und Futter jedoch nicht wieder auf, also machte sie sich daran, die entsprechenden Lieferungen zu organisieren. Sobald dann alle aus dem Haus waren, würde sie mal groß reinemachen. Die Gewandelten machten sich gerade auf den Weg in den Schlachthof zur ›Nacht der Gewandelten‹, Angel war schon dort um bei der Veranstaltung anwesend zu sein und anschließend den Tag bei ihrem Freund zu verbringen.
Fehlte also nur noch, dass Balduin und Damian ebenfalls, wie angekündigt, das Haus verließen. Wusste der Schneeschatten, was die beiden noch werkelten. Sie hörte die beiden schon die ganze Zeit, zwischen Küche und Salon hin und her wandern.
Endlich zog Balduin die Tür zu dem Raum zu und drehte den Schlüssel, ließ ihn allerdings stecken.
»So wir gehen jetzt. Bleib bitte aus dem Salon draußen, ich habe eine Überraschung vorbereitet.«
Er musterte sie und setzte sein freches Grinsen auf. »Mach dich doch etwas schick und genieß deine freie Nacht.«
Mechthild unterdrückte ein Seufzen. Der Junge wusste genau, dass sie es hasste, nichts zu tun zu haben. Mit einer scheuchenden Handbewegung bedeutete sie ihm, zu gehen. Da erschien auch Damian: »Können wir?«
Kurz darauf schloss sich die Tür hinter den beiden und Mechthild war allein. Zufrieden ging sie zur Spülküche und bereitete alles für den Hausputz vor. Sie würde mit den Fenstern anfangen, diese musste sie fertig haben, ehe die Sonne aufging.
Emsig arbeitete sie sich durch die Fenster im oberen Stockwerk, als die Türglocke läutete.
Wer kam den jetzt? Sollte es der Blutlieferant doch noch heute Nacht her geschafft haben? So schnell sie konnte, eilte sie zur Tür und öffnete.
Dort stand Theodor. Jener Mann, den sie auf der letzten Nacht der Gewandelten vergangenes Jahr kennen gelernt hatte, zu der sie selbst Nana und ihre Freundinnen begleitet hatte.
Mechthild blinzelte überrascht. »Theodor was…?«
Ihr Gast nahm seinen Hut ab und verbeugte sich höflich.
Sofort spürte Mechthild, wie sie rot wurde bei seinem Anblick. Zudem wurde ihr unangenehm bewusst, dass sie nicht gerade herzeigbar war. Nicht für ihn.
›Mach dich doch schick und genieß deine freie Nacht‹, hatte Balduin zu ihr gesagt. Hätte sie doch ausnahmsweise mal auf den Bengel gehört. Andererseits- ohne ihn wäre sie gar nicht in dieser Lage!
»Mir kam zu Ohren, das sie Hilfe im Salon benötigen würden«, erklärte unterdessen Theodor und lächelte sie an. »Deswegen habe ich mich gerne bereit erklärt ihnen zu helfen.«
Moment, was? Im Salon? Hilfe?
›Ich habe eine Überraschung vorbereitet‹
»Dieser Bengel!«, rief sie empört aus und erntete einen verwirrten Blick.
Wieder wurde sie rot. »V-verzeihung, kommen sie doch herein. Ich… ich…« Herrje! Dieses dümmliche Gestammel ist ja beschämend! Ärgerte sich Mechthild über sich selbst. Dann sah sie an sich herunter. Sie liebte eigentlich dieses Kleid. Doch es war lediglich bequem und störte sie nicht bei der Arbeit. Es war keinesfalls schön.
»Sie sehen großartig aus«, beteuerte Theodor, der ihren Blick offenbar richtig gedeutet hatte.
Verlegen versuchte sie den Stoff ein wenig glatt zu streichen. Er selbst trug auch nicht wirklich die edelste Kleidung. Wenn er allerdings davon ausgegangen war, er müsse ihr bei der Arbeit helfen, war das nicht verwunderlich. Allerdings ließ ihn das nur noch attraktiver aussehen. Mechthild mochte strebsame Männer.
Gemeinsam gingen sie in Richtung des Salons. Was würde sie hinter dieser Tür nun erwarten? Sie traute Balduin zu, ein heilloses Chaos hinterlassen zu haben, damit sie beide die ganze Nacht zum aufräumen brauchen würden.
Was sie tatsächlich vorfand, konnte sie kaum fassen: Ein festlich gedeckter Tisch. Offenbar hatte Damian sogar ein Dinner zubereitet. Eine Flasche Blut und eine Flasche Wein waren bereitgestellt und Kerzenlicht brachte eine romantische Stimmung in den Raum.
Auf einem Beistelltisch in der Ecke stand ein Plattenspieler bereit und als sie Schallplatten daneben in Augenschein nahm, stellte sie fest, dass Damian und Balduin ihren Musikgeschmack genau getroffen hatten.
Diese Kinder.
Auf einem der Teller lag eine Karte in der sauberen Handschrift von Balduin:

Leider hatten Damian und ich keine Zeit mehr für unseren romantischen Abend.
Doch ich bin sicher, du findest jemand,
der dir beim Beseitigen von Damians Resten behilflich ist.
-B

Diese Kinder…
»Nun, das habe ich nicht erwartet«, gestand Theodor und lugte neugierig unter die Cloche. »Aber ich denke, dabei werde ich durchaus behilflich sein können.«
Sie sah gerade noch rechtzeitig in seine Richtung, um sein freches Zwinkern mitzubekommen.
»So fern sie das wünschen natürlich«, ergänzte er und sah Mechthild abwartend an.
Die Gewandelte nickte ihm lächelnd zu. Dann wählten sie gemeinsam die Musik aus und genossen ein romantisches Essen.
Anschließend forderte Theodor sie zum Tanzen auf.
Das Wissen, dass niemand es mitbekommen würde, machte ihr die Entscheidung leicht, sich darauf einzulassen.

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

Alle Beiträge ansehen von F.Drewes →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert