5. Februar 2023

Protastik – Protas auf Abwegen 22.12.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

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Drewfire

„Wirklich, von mir hat sie es nicht erfahren“, ließ Ryan Drewfire zum wiederholten Mal durch ihr Seelenband wissen. Selbst durch die Gedanken, die er mit ihr teilte, konnte sie erahnen, dass er sich gerade prächtig amüsierte, seine Gefühle hätte es dafür gar nicht gebraucht.
„Wer weiß, vielleicht hat sie es ja wirklich ausgerechnet.“
Drewfire rollte unwillkürlich mit den Augen. „Auch dafür braucht es Informationen, die sie von mir nicht bekommen hat!“, teilte sie ihrem Gefährten im Stillen mit und landete am Waldrand, um zu Fuß weiterzugehen. Es war eine schöne Winternacht – Der fast volle Mond strahlte hell am klaren Nachthimmel und sein silbriges Licht ließ die feinen Eiskristalle der dichten Schneedecke vereinzelt glänzen.
„Womöglich hat sie auch einfach Damian gefragt“, mutmaßt Ryan unterdessen weiter, „Auf jeden Fall wollte sie dir doch nur eine Freude machen“, ergänzte er belehrend.
„Was auch immer sie, nach den 300 Jahren die sie mich inzwischen kennt, hat glauben lassen, eine Geburtstagsfeier wäre da eine guter Einfall…“
Einen Abend mit Angel und ihrer Überzeugung, man müsse einen runden Geburtstag unbedingt feiern, hätte Drewfire ja über sich ergehen lassen. Am Ende hätte sie ihre Freundin dann freundlich bestimmt wissen lassen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr nötig wäre und die Sache wäre erledigt gewesen. Nur deshalb hatte sie zunächst auch zugestimmt, als Angel ihr vergangene Nacht begeistert von ihrer Idee erzählt hatte. Aber nein, mit Kleinigkeiten gab diese sich ja nicht zufrieden. Also hatte sie beschlossen, auch noch eine kleine Festgemeinschaft einzuladen. Glücklicherweise teilte sie Drewfire das alles schon vor der ‚kleinen Feier‘ mit. Als dezente Randbemerkungen quasi, während sie darüber sinnierte, wie begeistert sie von dem Gebäck von Damian sein würde und der Blutpunsch von André erst – der sei einfach fabelhaft! Black Dragon hatte sich bei der Musikauswahl auch extra Mühe gegeben, hatte sie mit einem Augenzwinkern mitgeteilt und Yasmin würde sich ganz sicher benehmen, dass hatte sie Angel versprochen!
Es klang einfach…
„Grauenhaft gesellig?“
, ergänzte Ryan ihren unvollendeten Gedanken.
„Ja, das auch“, gab Drewfire mürrisch zurück.
„Wer weiß, womöglich wird es ja ganz lustig. Sicher, dass du dir das entgehen lassen willst?“
„Ich kann Angel ja deinen Geburtstag verraten, dann bekommst du deine eigene Feier!“,
drohte sie und diesmal war sie sich sicher, dass er lachte.
„Untersteh dich!“, erwiderte er belustigt. „Nun denn, dann werde ich mich mal dem Zorn unseres Engelchens aussetzen und ihr mitteilen, dass ich dich leider nicht davon überzeugen konnte, mich zu begleiten.“


Angel

„Was soll das heißen, sie kommt nicht?“, fragte Angel entsetzt, als Ryan endlich eintraf, jedoch allein. Kurz zweifelte sie daran, ob er auch wirklich bei Drewfire war, um sie abzuholen, hatte er zuvor doch noch gefragt, warum man überhaupt einen Tag feiern sollte, an dem man nichts geleistet habe.
„Sie hat versprochen, dass sie damit einverstanden ist!“ Um Angel herum war es verdächtig still und keiner schien wirklich überrascht. Warum nicht? Drewfire hatte gesagt, sie würde kommen und wenn ihre Freundin eines NICHT war, dann eine Lügnerin.
Enttäuschung machte sich bei Angel breit. Sie hatte ihr doch nur eine Freude bereiten wollen, nachdem sie, durch eine beiläufig Bemerkung, erfahren hatte, dass Drewfire in diesem Jahr bereits 500 wurde. Aus Damian hatte sie noch herauskitzeln können, dass die Bluthäscherin in einer Blutmondnacht geboren worden war.
Es hatte Angel einiges an Zeit in Andrés Bibliothek gekostet, aber nun kannte sie Drewfires Geburtsdatum und das war heute!
„Das hier…“, schaltete Ryan sich erneut ein und machte eine Handbewegung die den gesammten Raum erfasste, „…sowas ist ihr einfach zu viel. Als sie zugesagt hat ging sie davon aus, dass ihr beide allein seid.“
Angel sah sich um. Es waren doch gar nicht viele hier. Balduin und Damian wären ohnehin da gewesen, sie wohnten immerhin hier. Yasmin war auch meistens da. Ansonsten war nur André dazu gekommen. Die Dekoration hatte sie auch extra so schlicht wie möglich gehalten. Das prozigste waren die Kristalle, die von der Decke hingen und mit Kerzen beleuchtet wurden, so dass es aussah, wie ein Sternenhimmel. Angel war sich sicher, dass es ihrer besten Freundin gefallen hätte.
Ihr Bruder hingegen hatte schon mehrfach Bedenken geäußert und es ärgerte Angel maßlos, dass dieser Drewfire offenbar besser kannte als sie es tat.
Balduin trat von hinten an sie heran und legte ihr die Hände auf die Schultern. „Dann feiern wir eben ohne sie.“
Aufgebracht wirbelte Angel herum und stemmte die Hände in die Hüften. „Was ist denn das für eine Geburtstagsfeier, wenn das Geburtstagskind nicht anwesend ist?“
Ihr Bruder öffnete den Mund, hielt sich aber selbst davon ab, zu sprechen. Vermutlich verkniff er sich irgendeine Gemeinheit. Dann seufzte er und setzte erneut an: „Auf jeden Fall, würde es ihr bestimmt die Stimmung vermiesen, an ihrem besonderen Tag, wenn du jetzt hier sitzt und schmollst, anstatt zu feiern, wie du es vorhattest. Das willst du doch nicht, oder?“
Die Worte trafen sie direkt ins Herz. Das war gemein. Außerdem, das ging doch nicht! Oder? Hilfesuchend sah sie zu Ryan der ihr aufmunternd zunickte.  
„Dein Bruder hat recht, feiert ihr ruhig. Es wäre doch schade, wäre die ganze Vorbereitung umsonst gewesen.“ Er griff sich eines der Gebäckstücke, biss einmal ab, nickte Damian anerkennend zu, hob die Hand zum Abschied und verschwand ohne weitere Worte ebenfalls wieder.
Angel schnaubte resigniert – Manchmal wurde sie einfach nicht schlau aus den beiden Bluthäschern…


Drewfire

Drewfire steuerte auf eine kleine Anhöhe, tief im Wald zu und die Anspannung, die sie begleitet hatte, seit sie von dieser bescheuerten Feier erfahren hatte legte sich merklich. Sie wusste schon, warum außer Ryan praktisch keiner ihren Geburtstag kannte. Wenn Angel nicht nachgeforscht hätte, hätte Drewfire vermutlich selbst keinen Gedanken daran verschwendet, dass dieser Tag genau heute war. Der kleine Bergbach, an dem sie entlang ging, war größtenteils zugefroren, nur in dessen Mitte plätscherte das Wasser noch leise vor sich hin.  Der Wind spielte in den Ästen, Drewfire nahm einen tiefen Atemzug von der frischen Winterluft und genoss die Ruhe, die hier vorherrschte.
Kurz vor ihrem Ziel drangen leise Harfenklänge an ihr Ohr. Wo zum Henker kamen die jetzt her? Irritiert folgte sie dem Klang. Eigentlich kannte keiner, außer ihrem Gefährten, diesen Ort.
Aber Ryan und Harfe spielen? Sicherlich mochte er den Klang des Instrumentes auch, aber das er es spielte wäre ihr neu. Außerdem konnte sie nirgends seine Aura wahrnehmen.
Gut so, denn gerade hatte sie nicht einmal Lust auf seine Gesellschaft, obwohl sie diese fast immer sehr genoss.
Die Musik näherte sich unterdessen hörbar. Als sie schließlich auf der Anhöhe ankam, fand sie dort eine aufziehbare, selbstspielende Harfe vor.
Daneben lag auf einem großen, flachen Stein ein Tuch, darauf ein Teller mit einigen kleineren Gebäckstücken, die süß und klebrig aussahen. Dazu ein kleiner Tonkrug, der dick mit Tüchern eingewickelt und abgedeckt war und ein fein verzierten Glaskelch, an dem eine Karte lehnte:

In einem hat unser Engelchen recht. 500 Jahre, kann man durchaus einmal feiern.
Von Andres‘ ‚fabelhaftem Blutpunch‘ konnte ich leider nichts ergattern,
aber ich denke, mit der Alternative kannst du leben.“

Drewfire hob das Tuch von dem Krug und der süße Duft von warmem Blut, gemischt mit dem herben Aroma von Kakao kam ihr entgegen. Das war definitiv eine akzeptable Alternative.
„Ich wusste doch, dass du dem nicht widerstehen kannst“, huschte Ryans Stimme durch ihre Gedanken.
Mit einem Lächeln schüttelte Drewfire den Kopf. „Gerade so erträglich, wenn man nichts anderes zur Verfügung hat“, erwiderte sie – Wohl wissend, dass er ihr ohnehin nicht glaubte.
Neben ihr verstummte die Melodie der Harfe, und als sie sich umwandte, um sie erneut aufzuziehen, entdeckte sie, dass in dem Bach etwas funkelte. Als sie genauer hinsah, konnte sie einige Kristalle erkennen, die ihr Liebster wohl dort befestigt hatte und die das Licht brachen, wodurch sie das Wasser und das klare Eis an den Seiten des Bachlaufes in allen Farben färbten.
Schade, dass sie nichts zum Malen dabeihatte, um dieses Lichtspiel festzuhalten.
„Für wen hältst du mich? Sieh mal unter dem Steintisch nach…“
Das tat sie und fand dort Pinsel, eine Leinwand und die nötige Auswahl an Farben vor.
Ryan hatte, wieder einmal, an wirklich alles gedacht.

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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