6. Juli 2022

#Protastik-Protas auf Abwegen 23.12.2021

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Mit einem Grinsen, das Black Dragons Alarmglocken schrillen ließ, füllte sein Gegenüber jedem Anwesenden die bereitstehenden Kelche.
„Ein ganz besonderer Tropfen!“, verkündete er, als wäre das Blut von Dracula persönlich.
Obwohl ihn alles warnte, es nicht zu tun, griff er nach dem Getränk und schnupperte daran. Es roch intensiv nach … Hund? Nein Wolf. Doch es war kein Tierblut, dafür war der Geruch zu intensiv, geradezu abstoßend.
Lykanerblut. In seiner Reinform tödlich, gereinigt eine beliebte Droge.
Scheiße.
Wenn er sich das Vertrauen dieser Abtrünnigen erschleichen wollte, blieb ihm keine Wahl. Also runter damit.
Verdammt schnell legte sich ein wohlig weiches Gefühl um seinen Verstand.
Die Versammlung wandte sich einem Boxkampf zu, der gerade anfing. Keiner achtete mehr auf ihn. Er hingegen konnte sich weitaus schöneres vorstellen, als anderen Vampiren dabei zuzusehen, wie sie sich verprügelten. Also stahl er sich davon und machte sich auf den Weg nach Hause, wo Damian auf ihn wartete.
Doch Moment…
Nein, heute fand ja dieser Ball statt. Also auf zum Schloss!

~

Der dekorierte Ballsaal und die wunderschöne Kleidung der Besucher ließ Angels Herz vor Aufregung höher schlagen. Ihre Freunde teilten ihre Euphorie nicht wirklich und sahen sich eher gelangweilt im Raum um.
An einer Seite gab es eine große Tafel mit einigen Häppchen und Flaschen mit Blut. Neben der Tanzfläche war eine kleine Tribüne für die Musikanten aufgebaut.
Damian hatte gerade die letzten Gäste begrüßt und nun erfüllten sanfte Violinenklänge den Raum.
Angel beobachtete das bunte Treiben und genoß die Gesellschaft ihrer Freunde, auch wenn diese sie regelmäßig wissen ließen, dass sie nur ihr zuliebe hier waren. Für gewöhnlich mieden die beiden Bluthäscher, bis auf wenige Ausnahmen, derartige Veranstaltungen.
Mit einem Mal flog die Tür mit einem lauten Knall auf. Der ganze Saal verfiel in plötzliches Schweigen und alle Aufmerksamkeit richtete sich für einen Moment auf den Eingang. Erst konnte Angel zwischen den ganzen Leuten hindurch nichts erkennen, doch dann kam der späte Gast in ihre Richtung geschwankt.
Warum schwankte er? War die Person verletzt? Besorgt musterte Angel die Gestalt und blinzelte irritiert, als sie die zerrissenen Hosen und das verschlissene Hemd erkannte. War das etwa ihr Bruder?
Die Menge teilte sich vor ihm und Gemurmel erfüllte den Raum. „Völlig berauscht“, vermutete irgendjemand.
Mit seiner abgetragenen Kleidung wirkte Black Dragon ohnehin schon seltsam, aber unter all den Ballkleidern und Ausgehröcken wirkte er wie ein Obdachloser.
Schnell wollte Angel zu ihrem Bruder eilen, doch Drewfire hielt sie zurück. Das erwartungsvolle Grinsen ihrer Freundin gefiel Angel dabei überhaupt nicht.
Unterdessen hatte sich Black ein Bissen von Buffet genommen und warf es in die Luft, um es mit dem Mund aufzufangen.
„Köstlich!“, verkündete er lautstark und Angel spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Die Ehrenwachen beobachteten ihn bereits misstrauisch und die Blicke der Menge waren eine Mischung aus: angewidert, interessiert oder, im Fall ihrer Freunde beispielsweise, offensichtlich belustigt.
Schwungvoll wandte sich Black Dragon um.
Stumm hob Angel ihre Hände, als könne sie ihn noch aufhalten, doch da stieß er schon gegen eine Ritterrüstung, welche neben der Tafel aufgebaut war und sie fiel scheppernd auf das Buffet. Doch ihr Bruder schenkte dem keinerlei Beachtung. Stattdessen strahlte er in ihre Richtung und eilte zu ihnen. Zunächst dachte Angel, dass er auf dem Weg zu ihr war, doch er achtete gar nicht auf sie und versuchte stattdessen, Ryan zu umarmen. „Ryan! Was hat deinen süßen Hintern hier her verschlagen?“, lallte er und grinste ihn lüstern an.
Doch der Bluthäscher ließ das natürlich nicht geschehen sondern ergriff die Handgelenke seines Gegenübers und hielt ihn eine Armeslänge auf Abstand.
„Fesselspiele sind wirklich wundervoll, doch so funktionieren sie nicht“, gab ihr Bruder undeutlich von sich und der Augenaufschlag ließ vermuten, dass er das ganze wohl lasziv klingen lassen wollte.
„Das war auch nicht mein Anliegen.“, erwiderte Ryan stoisch.
Angel schüttelte fassungslos den Kopf. „Was ist los mit ihm?“
Drewfire betrachtete ihn konzentriert und murmelte dann: „Scheint als sei er berauscht. So wie er riecht hat er sich wohl Lykanerblut gegönnt.“ Dabei wedelte sie mit der Hand vor der Nase, als könnte sie damit den unangenehmen Geruch vertreiben.
Schockiert sah Angel ihre Freundin an. „Wie bitte?“
Diese verdrehte die Augen. „Was dachtest du denn, was er bei seiner Arbeit macht? Eichhörnchen streicheln?“
Verlegen biss sich Angel in die Wange. Tatsächlich waren das Überlegungen, die sie immer weit von sich fortgeschoben hatte. Aber sich mit Blut eines Werwolfes zu berauschen? Ihr Bruder war nicht wirklich der Typ, der gern die Kontrolle abgab.
„Er wird wohl keine Wahl gehabt haben.“, beschwichtigte Drewfire. Ihre Schadenfreude war ihr aber trotzdem deutlich anzusehen, als sie gemeinsam beobachteten, wie Ryan versuchte sich den liebestollen Spion vom Leib zu halten.
„Wir müssen ihm irgendwie helfen.“, beschied Angel doch Drewfire schüttelte den Kopf. „Das einzige was da hilft ist warten.“
Ryan funkelte sein Gegenüber unterdessen entnervt an. „Wie wäre es, wenn du mit deinem Freund poussierst?“
Daraufhin zuckte Black Dragon nur mit den Schultern. „Das würde ich gerne tun, aber siehst du ihn hier irgendwo?“
Die Gruppe begann sich tatsächlich umzusehen. Die Ehrenwachen behielten den Spion scheinbar im Auge, sahen aber wohl keinen Grund helfend einzugreifen. Noch nicht. Einige Bedienstete räumten die ruinierte Tafel auf und auch die Ritterrüstung wurde wieder aufgebaut.
„Vielleicht lockt ihn ja eines deiner Liebeslieder hervor“, schlug Drewfire vor, während sie in Richtung der verlassenen Tribüne blickte, an der die ganzen Instrumente lagerten. Schockiert sah Angel zu ihrer Freundin. „Hör auf ihm irgendwelche Flausen in den Kopf zu setzen!“ Doch es war bereits zu spät. Wie ein kleines Kind, dem man gerade eine Kiste Spielzeug gezeigt hatte, hatte ihr Bruder sich auf den Weg gemacht.
Wütend stemmte sie die Hände in die Hüften. „Was soll das?“, fuhr sie das Duo an. Ryan zuckte nur belustigt mit den Achseln.
„Endlich passiert mal etwas amüsantes“, kommentierte Drewfire und sah dabei zu wie der Spion eine Laute stimmte.
Schnell wollte Angel zu ihrem Bruder eilen, um ihn vor weiteren Peinlichkeiten zu bewahren, wurde jedoch abermals von ihren Freunden zurückgehalten. „Er wäre nicht sehr erfreut, wenn wir zuließen, dass du negative Aufmerksamkeit auf einem Ball auf dich ziehst“, erklärte Ryan und schaffte es sogar, für einen flüchtigen Moment ernst zu klingen. Drewfire nickte zustimmend. Die beiden wollten sie wohl verarschen!
Das Lied das Black anfing zu spielen war schön, was Angel beruhigt aufatmen ließ. Allerdings nur, bis er anfing dazu zu singen. Dieser klägliche Versuch trieb Angel sofort wieder die Schamesröte ins Gesicht steigen. Wenn er nicht gerade betrunken war, konnte er wirklich gut singen, aber jetzt hatte er keinerlei Kontrolle über Lautstärke und Rhythmus.
Offenbar hatten die Wachen inzwischen genug und marschierten jetzt auf ihn zu, um ihn doch noch raus zu werfen, hielten aber inne, als Damian zwischen den Leuten hervor und auf seinen Gefährten zukam. Sanft aber bestimmt nahm er ihm die Laute ab und führte ihn aus dem Saal.
Kaum hatten sie die Tür hinter sich geschlossen, konnte sich der ein oder andere ein leises Lachen nicht mehr verkneifen und vermutlich verhinderte nur die Tatsache, dass er der Gefährte von Draculas Sohn war, dass der ganze Saal in schallendes Gelächter ausbrach.
„Können wir jetzt gehen?“
Ergeben senkte Angel den Kopf und folgte ihren Freunden aus dem Ballsaal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.