6. Juli 2022

#Protastik-Protas auf Abwegen 30.12.2021

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Pünktlich waren wir nicht mit der Kurzgeschichte fertig. Doch da am Silvesterabend doch noch die passende Idee kam wollten wir euch die Geschichte nicht vorenthalten.

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier

Das Jahr neigte sich dem Ende zu und unter den Gewandelten herrschte Aufregung. Noch immer hielten sie an den menschlichen Traditionen zum Jahreswechsel fest. Aber sie würden noch früh genug feststellen, wie schnell ein Jahr im Leben eines Vampirs verging.

Andererseits fand Angel die Bräuche der Menschen wahnsinnig faszinierend. Neugierig betrachtete sie die kleinen Figuren aus Blei, welche auf dem Tisch bereitlagen zusammen mit einem Löffel, der eher wie eine kleine Pfanne aussah und einer Schale mit Wasser.

„Also“, begann Lea, „wir schmelzen die Figur ein und kippen das Ganze in die Schüssel mit Wasser. Die Form, die sich dabei bildet, verrät dir dann, was das kommende Jahr für dich bereithält!“, dozierte sie.

Grinsend schnappte sich Daniel die erste Figur. „Ja, ja. Ich fange an.“

Über der Kerzenflamme schmolz die Figur in rasch zu einer silbrigen Flüssigkeit, welche Daniel schwungvoll in die Wasserschale kippte.

Und es bildete…

…einen unförmigen Klumpen. Und das sollte einem jetzt die Zukunft prophezeien? Enttäuschung machte sich in Angel breit.

Die Schüler riefen sich unterdessen die unterschiedlichsten Dinge zu, welche sie wohl in der Masse erkannten.

„Eine Ente!“

„Was? Quatsch, das ist ein Hase!“

„Wo siehst du denn da einen Hasen?“

„Na da, das sind die Ohren…“

„Schwachsinn, das ist der Schnabel.“

Angestrengt versuchte Angel irgendeinen der genannten Begriffe zu erkennen. Irgendwie hatte sie sich die Formen die sich bildeten deutlicher vorgestellt.

Es dauerte, bis die Gruppe sich auf eine Figur geeinigt hatte. Genauer gesagt bis sie beschlossen hatten, dass derjenige, dessen Figur es war, das letzte Wort hatte.

Jeder von Ihnen orakelte sich also seine Zukunft.

Zum Abschluss durfte auch Angel sich an der Aktion beteiligen und starrte konzentriert auf den entstandenen Bleiklumpen.

„Sieht ein bisschen aus wie ein Affe“, sinnierte sie nach einer Weile.

„Was?“ Leas Aufschrei ließ Angel zusammenzucken.

Mit einem mal war die gute Stimmung wie weggeblasen und alle starrten die Gewandelte fragend an.

„Das bedeutet, dass du dich vor einem Schmeichler in Acht neben musst!“, warnte sie mit erhobenem Zeigefinger und in einem solch theatralischen Tonfall, dass die restlichen Schüler in Gelächter ausbrachen.

Angel biss sich auf die Zunge um nicht mit zu lachen.

„Das ist nur ein Spiel“, sagte Daniel und klopfte Lea aufmunternd auf den Rücken. Doch sie wandte sich ruckartig und erbost um.

„Gar nicht wahr! Bisher ist immer alles eingetreten, was mir diese Orakel vorhersagten, sogar der Lottogewinn!“

„Du hast im Lotto gewonnen? Wann?“, hakte er skeptisch nach.

„Als ich 12 war, das Jahr, indem es mir weisgesagt wurde“, bestätigte Lea.

Schweigend starrte er sie an, schüttelte den Kopf und wandte sich dann mit einem gemurmelten „Bullshit“ von ihr ab.

„Gar nicht! Ich hatte 20 Mark gewonnen!“, eschauffierte sie sich weiter.

Die anderen beobachteten das Schauspiel lediglich schweigend und amüsiert.

Daniel hielt inne und starrte wieder misstrauisch zu Lea. „Du hast doch mit 12 bestimmt kein Lotto gespielt.“

„Doch Oma hat mir jedes Jahr Lose gekauft.“

Einen kurzen Moment herrschte Stille in der der ehemalige Soldat seinen Gegenüber weiter musterte. „Du redest jetzt aber nicht von verdammten Rubbellosen oder? Wenn du jedes Jahr mehrere hast, ich meine klar gewinnt man dann mal was, a…“

„Siehst du, es hatte Recht!“, fiel sie ihm sofort ins Wort.

Mit einem Stoßseufzer gab Daniel auf.

Angels Blick wanderte wieder zu ihrem Klumpen … Figürchen … Affe … was auch immer.

Vor einem Schmeichler in Acht nehmen? Als ob das etwas neues wäre.

Seit Jahrzehnten neckte Ryan sie mit seinen nicht ernstgemeinten Flirtereien. Das war zwar manchmal wirklich nervend, aber besorgniserregend war daran gar nichts.

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