10. Dezember 2022

Protastik – Protas auf Abwegen 28.07.2022

Jeden Sonntag veröffentlichen Anke BeckerLucas Snowhite und Christina Marie Huhn eine neue Aufgabe für ihre #Protastik-Challenge. Am darauffolgenden Donnerstag werden dann die Geschichten dazu gepostet. 

Unseren Beitrag findet ihr ebenso Hier


Eine Dunkelheit, wie sie sie noch nie erlebt hatte, herrschte um Lilith herum. Nirgendwo schien es auch nur den kleinsten Lichtpunkt zu geben.
Wo war sie? Was war geschehen? Fieberhaft versuchte sie, sich zu erinnern.  Sie hatte alles für den Tag der Abrechnung vorbereitet gehabt. Ihr Plan war perfekt …
»Dein Leben ist verwirkt«, unterbrach eine fremde Stimme ihre Gedanken, »doch du sollst noch eine Chance erhalten.«
Irritiert sah sich Lilith um. Zumindest versuchte sie es.
Die Stimme schien von überall herzukommen und doch kam ihr in den Sinn das sie keine Quelle zu haben schien.
Was sollte das überhaupt bedeuten?
War sie tot?
Aber – wie? Durch wen?
Das war nicht möglich. Der Triumph war ihr sicher! Sie konnte nicht tot sein!
»Was soll dieser Unsinn? Zeig dich, wer auch immer du bist!«
»Dein altes Leben ist verwirkt«, wiederholte die unbekannte Stimme. »Wie willst du dein neues Leben leben? Was glaubst du zu verdienen?«
Wut, Hass und Frust fluteten Liliths Gedanken. Jetzt sollte ihr selbst dieser Sieg vereitelt worden sein?
Das war nicht fair!
Nichts in ihrem Leben war jemals fair gewesen.
»Was ich verdiene?«, zischte sie nun aufgebracht. »Das Leben, welches mir immer verwehrt worden ist!«
Ein schier unerträgliches Schweigen erfüllte die Dunkelheit. Wie lange es andauerte, konnte Lilith nicht sagen. Es konnten ebenso gut Stunden, wie auch nur wenige Sekunden sein. Jegliches Zeitgefühl schien ihr verloren gegangen zu sein.
»Es steht dir frei, selbst die Gestalt für ein anderes Leben zu wählen.«
Sofort baute sich ein Bild vor Liliths innerem Auge auf.
Die hochgewachsene Gestalt, das lange blonde Haar, die kühlen blauen Augen und die dünnen Lippen, welche zu einem zynischen Lächeln verzogen waren.
»Doch sei gewarnt und wähle weise. Nur diese eine Chance auf Besserung wird dir gewährt!«, mahnte die Stimme noch, doch Liliths Entschluss stand längst fest.
Sie würde es sein.
Sie würde SIE sein.
»So sei es!«
Lilliths Gedanken zerfaserten. Sie hatte keine Ahnung mehr, an was sie gerade gedacht hatte. Wer sie war, wo sie war. Was hier passierte. Dann schwand ihr Bewusstsein.

Lilith erwachte auf einer Chaiselounge. Noch schlaftrunken rieb sie sich übers Gesicht. »Was für ein verrückter Traum…«, murmelte sie und schlug sich direkt darauf erschrocken die Hand vor den Mund. Diese Stimme… war das möglich?
Zögerlich tastete sie nach der Narbe in ihrem Gesicht, doch da war nichts, außer glatter Haut und einem gesunden, sehenden Auge!
Langsam erhob sie sich und entdeckte einen Ganzkörperspiegel im Raum.
Sofort positionierte sie sich davor und bewunderte ihre Gestalt.
Ehrfürchtig ließ sie die Hände über den Körper wandern. Alles war da, wo es sein sollte.
Ein erleichtertes Lachen verließ ihre Lippen. Ja, sogar das hatte den richtigen Klang.
Ein Schaudern erfüllte ihren Körper.
Dann noch eines. Doch er war nicht angenehm, stellte sie fest und sah sich um. Das Fenster stand offen und kalte Winterluft erfüllte den Raum. Ein beißendes Gefühl breitete sich auf ihrem Körper aus. Beginnend an den Stellen, die unbedeckt waren bis tief unter die Kleidung.
Was war hier los? Was war das?
Fühlten sie so vielleicht die Auren andere Wesen an? Konnte so eine besondere Fähigkeit wirklich so unangenehm sein?
Dann erfüllte ein seltsames Geräusch den Raum.
Eine eigenwillige Mischung aus knurren, brummen und blubbern, aber sie konnte zunächst keine Quelle ausmachen. Bis ihr bewusst wurde, dass ein innerer Schmerz ihren Bauch erfüllte, wann immer dieses Geräusch ertönte.
Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht mit ihr.
Die Freude über ihre perfekte Gestalt schwand langsam und wurde von einem überaus unguten Gefühl abgelöst.
Von einer düsteren Vorahnung erfüllt zog sie mit einem Finger ihre Oberlippe hoch und starrte fassungslos auf ihr Gebiss.
Ein Mensch!
Sie war ein verdammter, nutzloser Mensch?

F.Drewes

Kreativ-chaotisch und manchmal ein bisschen (Schreib)verrückt. Mehr von F.Drewes gibt es Hier

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